Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 208 (sequence 18)
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206 nommen auch die Thora. Gegen diese Einheit aber verstößt 1m Grunde genommen auch der Misrachi. verstößt auch die Gemeindeorthodoxie. Hier kann man es haarscharf und genau sagen, wo der Unterschied liegt. Kein Misrachist wird jemals bestreiten, daß diese Einheit sein soll. Darin sind wir vollständig einig, im Gegenteil, der Misrachi wie die Gemeindeorthodoxie wollen ja für diese Einheit kämpfen. Darin liegt ohne Zweifel dasjenige, was uns mit ihnen verbindet, und wir werden diese Tatsache nicht aus dem Auge verlieren dürfen. Worin wir uns aber von ihnen unterscheiden, das läßt sich klar und deutlich sagen. Dem Agudismus ist diese Einheit ein in jeder Zeit Gegenwärtiges und tatsächlich Vorhandenes, ein unzerstörbares Faktum. Für den Misrachi hingegen, genau wie für die Gemeindeorthodoxie, ist diese Einheit geworden zu einem Ideal, geworden zu einem Gegenstand seiner unablässigen Forderung־, aber heute, im Moment, jetzt, in dieser Stunde, sieht er die Einheit nicht mehr oder noch nicht, und wenn der Gemeindeorthodoxe es etwa fertig bringt, hier in dieser Stadt einer Gemeinde femzubleiben, die die Verwirklichung dieser Einheit ja darstellt, so bringt er mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck, daß ihm diese Einheit erst etwas Werdendes ist, etwas, was noch nicht da ist, etwas, wofür man erst kämpfen muß, und vor lauter Bäumen sieht er gewissermaßen den Wald nicht. Und wenn etwa der Misrachi der Agudas Jisroel fern bleibt, die ja nichts anderes ist, als die Darstellung dieser metaphysisch und metahistorisch vorhandenen Einheit in der Welt der Erscheinungen, wenn er ihr sogar grundsätzlich fern bleibt, nun, so bringt er wiederum zum Ausdruck, daß ihm diese Einheit nichts ist als ein Ideal, als eine Forderung, für die er sich einsetzt, daß sie ihm aber nicht ist die realste aller Realitäten, die wirklichste aller Wirklichkeiten. Gewiß, diese unzerstörbare, weil in der Metageschichte wurzelnde, von Gott selber geschaffene Einheit, sie soll in der Welt der Erscheinungen nicht etwa begründet werden, das braucht sie nicht, denn sie ist da, sie ist geschaffen, wie die Natur geschaffen ist; aber sie soll in der Welt der Erscheinungen zur geschichtlichen Darstellung gelangen. Zu diesem Zwecke hat uns Gott Erez Jisroel, hat uns Gott das jüdische Land gegeben. Nie werden wir vergessen dürfen, gerade vom agudistischen Standpunkt aus vergessen dürfen, daß diese Einneit älter ist als Erez Jisroel. Diese Einheit ist geschaffen worden am Sinai und war am Sinai in ihrer Vollendung da. Diese Einheit hängt nicht