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Nahalat tsevi · 1936-04-01 · Heft 7-9 (April 1936) · p. Seite 202

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 7-9 (April 1936)
Date
1936-04-01
Page
Seite 202 (sequence 12)
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202 heit von außen her herantritt, um ihn dem Willen Gottes zu unterwerfen. Wer ahnt nicht schon hier die Fülle und Tiefe der Gedankenarbeit, die das talmudische Denken ausgeführt haben mußte, bevor es den Satz sprechen konnte: יסומה פטור מכל המצות שבתורה Seit jeher haben sich denkende Menschen über den Ursprung der Erkenntnis herumgestritten. Wie ist der Inhalt des Geisteslebens zustande gekommen? Wie sind denn so grundlegende Begriffe wie Recht, Moral, Wahrheit usw. entstanden? Sind diese Dinge von außen in uns hereingekommen, oder tragen wir diese Dinge in uns und werden wir von außen nur zur Entwicklung dieser Dinge angeregt? Sind wir als denkende Wesen aktiv oder passiv, ist das Erkemien ein Empfangen oder ein Schaffen? Seit jeher wurden die Menschen beim Nachdenken über dieses Problem von Gegensatz zu Gegensatz getrieben: Hie Rationalismus, hie Empirismus. Ein ewiges Spekulieren und Idealisieren auf der einen Seite, Leugnung alles Mentalen und Metaphysischen auf der anderen Seite. Und wenn zu dieser schmerzlichen Ungewißheit über den Ursprung der Erkenntnis sich noch außerdem das tiefe Dunkel gesellt, das über den Gründen des menschlichen Seins, über sein Woher und Wohin ausgebreitet ist —: was Wunder, wenn denkende Menschen seit jeher in trübseligen Skeptizismus verfielen, wenn sie von alters her gefragt und gezweifelt haben: ״Ich denk und weiß nicht wie, ich leb und weiß nicht wie lang, ich sterb und weiß nicht wann, ich fahr und weiß nicht wohin, mich wundert, daß ich noch fröhlich bin“. — Dem talmudischen Denken ist dieses Fragen und Zweifeln völlig fremd. Denn es steht und fällt mit der Tatsache aller Tatsachen: אתה הראת לדעת, durch Sehen bist du zum Wissen gebracht worden, weil du ein Sehender bist, bist du ein Wissender geworden.“ Von außen her trat und tritt das Gesetz an dich heran. Dieses Gesetz ist kein Gedankenbau, den du von innen heraus dir selber auf gegeführt hast. Nicht bloß gehört hast du die Stimmen der Offenbarung וכל העם רואים את הקולות gesehen hast du diese Stimme. Hören kannst du auch Stimmen, die von irgendwo her an dein lauschendes Ohr dringen. Du hast sie aber auch gesehen, denn der, von dem sie kamen, stand dir Aug’ in Auge gegenüber. — Schiller nennt das Licht des Auges eine edle Himmelsgabe. Wir haben dem Licht des Auges die edelste aller Himmelsgaben zu verdanken: das Licht unseres Lebens — die Thora.

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