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Nahalat tsevi · 1936-04-01 · Heft 7-9 (April 1936) · p. Seite 200

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 7-9 (April 1936)
Date
1936-04-01
Page
Seite 200 (sequence 10)
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heraus es verständlich wäre, daß jemals ein Litterat, ein Philosoph, ein Gesetzgeber, durch eigenes Nachdenken dazu gekommen wäre, die — der Halacha vom Blinden zu Grunde liegende Idee zu konzipieren. Wir stehen hier vor einer Idee, die ganz offensichtlich in die Tiefen des göttlichen Geistes hineinragt. Wie könnte es denn auch anders sein, wenn und solange uns der Begriff תורה מן השמים die Grundlage all unseres Nachdenkens über talmudische Probleme ist! Wir werden darum diese Idee niemals ganz erfassen können. Wir können ihr bloß nachspüren. Wir können bloß andächtig hinhören auf all das Geheimnisvolle, was da zwischen den Zeilen der Gemoro flüstert und haucht — und wenn es uns gelungen ist, die hier Schlummerden Gedanken aus den Fesseln der juristischen Terminologie zu erlösen, mit welchen die Notwendigkeit ihrer Einführung ins praktische Leben sie gebunden hat, dann ist das Höchste, was wir dabei erreichen können, die beglückende Ahnung: es sieht beinahe so aus, als ob wir der Wahrheit ein kleines Schrittchen näher gekommen wären. Machen wir uns nun mit einigen Worten klar, was dem Satze סומא פטור רפו׳ zu Grunde liegen mag, worin im Sinne der Gemoro die Inferiorität des Blinden bestehen kann, die, wie wir bereits betont haben, fast auf allen Gebieten des religiösen Pflichtlebens als ein halachisches Problem uns entgegentritt. Warum sollte ein Blinder von allen מצות שבתורה ausgeschlossen sein? Von einer physischen Unmöglichkeit, תורה und מצות zu erfüllen, kann doch nur dort die Rede sein, wo, wie bei der Haftpflicht, für angerichtete Schäden, die fehlende Sehkraft eine moralische Unverantwortlichkeit begründet, oder wo das Sehen eines Gegenstandes, wie bei ציצית und קריאת התורה und dergl. ein wesentliches Merkmal der מ צ ו ת - Erfüllung ist. Wamm sollte aber ein Blinder auch von solchen מצות und הקים ausgeschlossen sein, bei deren Ausübung die Funktion der Augen, wenn überhaupt, nur eine ganz nebensächliche Rolle spielt? Auch von einer geistigen Minderwertigkeit kann keine Rede sein. Denn wer möchte רב יוסף und רב ששת die beide blind waren, für geistig minderwertig halten! Ja, von רב יוסף berichtet die Gemoro in B. Kama das. ausdrücklich, daß er es trotz seiner Blindheit sich nicht nehmen ließ, sein Leben den Geboten der Thora zu unterordnen. Ja, anfangs glaubte er sogar, daß diese freiwillige Unterordnung innerlich wertvoller sei als eine durch ein striktes Gesetz erzwungene, und er war froh, wenn es hieß,

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