Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 198 (sequence 8)
- Belongs to
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196 können blinde Eltern nicht sprechen: ״Dieser unser Sohn ist ungehorsam und widerspenstig“. Wer von diesem seinem Sohne spricht, der muß ihn sehen können. Zwischen einem blinden Vater und einem sehenden Sohne liegt etwas ewig Unüberbrückbares, ja, es erhebt sich zwischen ihnen wie ein dunkler Nebelschleier eine fremde, kalte Finsternis, die das helle, fr^udige Zusammenklingen und Zusammenstimmen ihrer Seelen in einer tiefen Unglücksnacht begräbt. Durch בננו זה wird סומא ausgeschlossen. Blinde Eltern sind nicht befugt, ihren mißratenen Sohn als unverbesserlich dem Gericht zu überantworten. Wer weiß denn, ob nicht ihre Blindheit eine wichtige Ursache seiner Mißratenheit ist! Bis zu diesem Punkte vermag die vulgäre Logik dem talmodischer» Denken zu folgen. Aber es bleibt nicht bei diesem Punkte stehen, sondern ganz ähnlich wie ר, יהודה in בבא קמא läßt auch רב אחא בר יעקב in 116) פסחיםb) die Halacha vom Blinden von ihrer Quelle auf ein anderes Gebiet überspringen: סומא פטור מלומר הנדה כתיב הבא בעבור זה וכתיב התם בננו זה מה להלן פרט לסומא אף באן פרט לסומא. Da auch beim Gebote der llagadah der Ausdruck זה vorkommt, בעבור זה, wird der Blinde auf dem Wege der גזרה שוה Uebertragung auch von der Hagadahpflicht befreit. — Und so gibt es kaum ein Gebiet des religiösen Pflichtlebens, auf welchem die religiöse Vollwertigkeit des Blinden nicht zu einem halachischen Problem würde: יבום, סוטה, עדות, גט, ציצית, קדושין, קריאת התורה, שחיטה, קדוש usw. Es ist aber immer nur wohlgemerkt seine Vollwertigkeit als Jude, die in Frage steht. Dagegen steht seine Vollwertigkeit als Mensch und dementsprechend seine Zugehörigkeit zum Pflichtenkreis der Noachiden (שבע מצות בני נח) außer Frage. (Vergl. מנחת חנוך סי׳ ב׳). Nun wollen wir uns die Frage vorlegen: Was fangen wir mit diesen Dingen an? Was ist denn das für eine seltsame, rätselhafte Welt, in die wir da eingeführt werden? Vor allem: von welcher Art ist denn dieses talmudische Denken, von dem wir uns soeben eine leichte Kostprobe zugeführt haben? Das Denken der Menschen ist verschieden gefärbt. Es gibt ein juristisches Denken, ein philosophisches, ein scholastisches, ein religiöses, ein mystisches Denken. Welcher dieser Denkarten kann das talmudische Denken eingeordnet werden? Juristisch ist es nicht. Das Denken der Juristen hat es nur mit den Rechtsbeziehungen der Menschen untereinander zu tun. Die Halacha