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Nahalat tsevi · 1936-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1936) · p. Seite 177

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 4-6 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 177 (sequence 67)
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177 Heben Lebens wie talmudifcher Grundlehren vonnöten ift, wurden von emftmeinenden Ratfuchenden vor allem an Dr. Ritter צ־ל: geftellt. Die Vorfehung hatte uns in ihm einen Mann gefchenkt, der ebenfo prinzipienfeft wie in Diftanz vom Parteienleben, ebenfo die ihorawiffenfchaftliche Materie wie die Gegebenheiten der Gegenwart uberfchauend unbeirrt in reiner Wahrheitsliebe feinen Weg ging. Breuer, Lerner, Spitzer, Rittei, - hatten wir wirklich das Glück, Zeitgenoffen aller diefer Groben zu fein? Erft nach dem Hinfeheiden eines jeden von ihnen haben wir verfpürt, wie viel wir an ihnen hatten und verloren und wie lehr unfer Zeitalter ein ״Dara jathma״, ein verwaiftes Gefchlecht geworden ift. Haben an folchen, auf einfamer Höhe flehenden Thoragroben auch einzelne, auch Hilfsbedürftige und Kummerbeladene einen Verluft erlitten? - Unfere Thoragroben ünd keine weltverachtenden Olympier. Mit Thoraeifer verträgt fich organifalionsluftige Hilfsgefchäfiigkeii fchlechi, — liebevolle und opferbereite Menfchenfreundlichkeit um fo inniger. - Wer das Glück gehabt hat, das befondere Wohlwollen eines Mannes wie Dr. Ritter זצ״ל zu erlangen, dem blieb diefer Segen in allen Lebenslagen gewib, ja übertrug fich auf deffen Kinder; auch wer nur Nachkomme oder Angehöriger eines Mannes ift, dem er fich verbunden wuble, konnte fich gelegentlich feiner Förderung erfreuen. Noch in hohen Altersjahren behielt er den richtig abfehätzenden Blick für wiffenfchaftliche und fonftige neue Zeiterfcheinungen. Im Jahre 1923 wurde in Berlin in feiner Gegenwart die Frage erörtert, ob nicht vielleicht die ״Biblifch-talmudifche Medizin" von Preub noch nach dem Tode ihres Verfaffers um ein Kapitel über die inzwifchen aufgekommene Unbewubtfeins-Pfychologie bereichert werden müffe. Ein Anwefender verneinte das mit der Bemerkung: ״Das iß ja eine ״fchnüffelnde" Wiffenfchaft". - Als darüber ein anwefender an diefer Wiffenfchaft Intereffierter verftimmt fchien, antwortete Dr. Ritter: ״In Jefchaja (11, 3) wird vom Meffias gelehrt, dab er, um wahrheitsgemäß zu richten, weder nach dem, was feine Ohren hören, noch nach dem, was feine Augen fehen, fein Urteil fällen mub; mit Hilfe feines ״Geruchfinnes" wird er die Wahrheit ermitteln. Der Talmud nimmt das bekanntlich fehr wörtlich, indem er berichtet, man habe am Mangel diefer Kunft die Ungöttlichkeit des falfchen Erlöfers Barkochba erkannt. Dennoch, - fo fuhr Dr. Ritter fort, — dürfen wir vielleicht vermuten, dab hier jenes feelifche Spürvermögen gemeint ift, das dem tatfächlich Gehörten und Gefehenen oft ebenfoweit voraus ift wie der Spür-

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