Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 44)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2551369-2551412-2551415--2209-2553731- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
154 reiche Förderung durch Schulral Otto und Professor Dr. Herold, der Referent für das Schulwesen der Stadt Warfchau war. II. Diese Darstellung soll nicht zu einem Memoirenwerk ausarten, das ergäbe ein kaleidoskopartiges Bild. Es muh genügen, die wesentlichen Gesichtspunkte festzuhalten, alles Einzelne mag dann der Vergessenheit anheimfallen. Eine ganz unbefchriebene Tafel fand ja die Delegation nicht von Rein verwaltungsmäßig lag die bekannte, sogenannte Hindenburgifche Verordnung vor vom Juli 1915, welche in § 13 für alle jüdifchen Schulen Deutfeh als Unterrichtssprache vorfchrieb. Das hatte einen fcharfen inneren Gegensatz zwifchen Polen und Juden gefchaffen. Als jedoch im Mai 1916 seitens Deutfchlands der erste Schritt zur autonomen Verwaltung Polens gefchehen war und die innere und Justizangelegenheit Polen übertragen wurde, da hob das Generalgouvernement diesen § 13 auf. Von jüdifcher Seite war unterdessen auch der Versuch gemacht worden, die Judenheit Polens zu einer Forderung nationaler Minderheitsrechte zu bewegen. Das lag aber durchaus nicht in der Linie der deutschen Politik, welche wegen der Judenfrage nicht noch die insbesondere durch - die Rivalität Österreichs an und für sich fchon sehr komplizierte Lage erfchweren und sich nicht mit den Polen Überwerfen konnte. Die führenden Kreise Polens konnten nur fchwer überzeugt werden, daß dieser Versuch nicht ein Schachzug der okkupierenden Macht war, um in das werdende Polen einen Keil zu treiben. Auch diese Aufgabe fiel in den Rahmen der Tätigkeit der Delegation. Sie wurde mit aller Ehrlichkeit und Offenheit von allen Seiten gelöst. Die oben erwähnte Aufhebung des § 13 war die Krönung dieses Bestrebens und wurde auch von allen Seiten so empfunden. Es sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, daß der damals in Lausanne erfcheinende Moniteur polonais durchaus die Loyalität der Delegation der Freien Vereinigung nach jeder Richtung anerkannte. Redakteur war damals der spätere Minister Jan Kucharszewski. Es gefchah selbstverständlich kein Schritt ohne Zustimmung des Generalgouvernements Warfchau und seiner Zivilverwaltung. Noch eines wirklich historifchen Intermezzos sei hier Erwähnung getan. Man hatte der Zivilverwaltung, noch vor Einrichtung der autonomen polnifchen Verwaltung, nahegelegt, mit