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Nahalat tsevi · 1936-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1936) · p. Seite 152

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 4-6 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 152 (sequence 42)
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Wer sich von jüdischem Verantwortungsbewusstsein durchdrungen fühlt, wird nichts sehnlicher wünschen, als daß, wieso vieles, auch diese traurige Erscheinung in unserer an Schicksalsschwere wahrlich nicht zu überbietenden Zeit, endlich der Vergangenheit angehöre. Und der Aufruf weckt berechtigte Hoflhung. Denn die gemeinde-orthodoxen Rabbinen legen mit ihrer Unterschrift das erhebende Bekenntnis vor aller Öffentlichkeit ab, daß fortan das Psalmenwort auch ihre Lösung sein werde: ״Genosse bin ich allen, die dich fürchten und deine Aufgabe hüten“. Wir dürfen also die frohe Erwartung hegen, daß der Augenblick nahe ist, in dem die aller jüdischen Selbstachtung Hohn sprechende Tatsache, daß thoratreue Rabbiner in Gemeinde und Rabbiner־Verband thoraleugnende Rabbiner als gleichwerte ״Genossen4‘ anerkannt haben, vor der sieghaften Wahrheit dieses Psalmenbekenntnisses als ein Truggebilde traurig verworrener Zeit in die verdiente Nacht der Vergessenheit versinkt. Denn mit Recht betont der Aufruf: ״Wenn nicht jetzt, wann denn?!“ Eine würdige Jubiläums-Erinnerung. *} 1. Als im Jahre 1915 die deuifche Armee in Worfchau einzog und Polen durch die verbündeten Truppen in Ganze besetzt war, da überfchlich die führenden Menfchen der Glaubenstreuen die bange Sorge, es könnte die neue Zeit für die Eigenarten der chabidifchen Orthodoxie nicht volles Verständnis haben, und sie wandten sich deshalb an die Aguda, welche als zweckentsprechender die Angelegenheit der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Frankfurt am Main übertrug, mit der Bitte, sie möchte eine Delegation nach Warfchau entsenden, um zwifchen den in diplomatifchem Verkehr nicht gewandten Orthodoxen Polens und der okkupierenden Macht zu vermitteln. Hilfsbereit, wie die in Deutfchland wohnende Judenheit stets in vorbildlicher Weise war, erklärte sich die Freie Vereinigung sofort zur Erfüllung dieser Bitte bereit. Dies stieb anfangs auf Schwierigkeiten, die in den eigenartigen Verhältnissen eines Etappengebietes hauptsächlich begründet waren. Dank der gefchickten Intervention von Sigmund Fraenkel s. A. wurde zunächst die Erlaubnis zu einem kurzen Aufenthalt in Warfchau erteilt. Im Oktober 1915 fand die *) Erscheint aus Anlaß des Jubiläumsjahrs der Fr. Vereinigung.

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