Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 38)
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146 ״Hirfchianismus״ dem Judentum erhalten werden, will demgegenüber nichts besagen, ebensowenig wie die Tatsache, dab gerade im Osten ein wachsendes Verständnis für die Lebensarbeit von S. R. Hirfch zu beobachten ist. Denn für den Osten beginnt jetzt die Periode der ״Aufklärung״ mit allen ihren Gefahren, der gegenüber Hirfch als der unbestrittene Helfer erfcheint. Für uns Westeuropäer ist diese Gefahr zwar nicht gebannt, aber doch erheblich gemindert, so dab die Sehnsucht in uns wieder wach geworden ist, das Judentum so dargestellt zu sehen, wie es aussieht, wenn es ganz auf sich gestellt ist, ohne dab hierbei auf die zeitgenössifche Geistesverfassung Rüdesicht genommen werden mub. Die Frage lautet demnach nicht, ob das Programm Thora im Deredi Erez ein Irrtum war oder nicht, denn es war und ist zweifellos ein Segen, allein die Fortentwicklung im Sinne eines Aufsteigens zur nächsthöheren Stufe des Heiligtums, ist eine Forderung, die gewib dem Sinne S. R. Hirfchs entspricht. — 2.) Die ebenerwähnte Rücksichtnahme auf die zeitgenössifche Geistesverfassung wirkte sich bei Hirfch (wie bei manchen früheren Darstellern der jüdifchen Lehre) dahin aus, dab er die Lehren des Judentums und insbesondere das Gebäude der Mizwoth vielfach zu rationalisieren strebte, auf dab sie vor dem Forum der hohen Vernunft zu bestehen vermöchten. Diese Tatsache wird durch den Hinweis auf manche Kommentarstellen keineswegs entkräftet, auch nicht durch den Hinweis auf den Komm, zu Psalm 78. (S. Der Neue Kusari, S. 227.) Denn dab Hirfch eine irrationale Sphäre, ein Reich des Unbegreiflichen über uns ohne weiteres anerkannt hat, ist für jeden Hirfch-Kenner eine Selbstverständlichkeit, die keines Beweises bedarf. Es handelt sich jedoch um die Konsequenzen, die aus dieser Erkenntnis gezogen werden, um den vollen Ernst, den man mit ihr macht. Und hier bieten nichts so sehr als die Mizwoth die Probe aufs Exempel. Wenn z. B. von Hirfch das Beten zu Gott als ein ״Hinaustreten aus dem tätigen Leben und Erstreben eines Urteils der Wahrheit über sich usw.» um mit der Kraft solchen Urteils Geist und Herz zu durchdringen, wodurch beide, geläutert und gehoben und gestärkt, neu dem tätigen Leben wiedergegeben werden״ (Chorew, Kap. 98), erklärt wird, — so ist dies fchlechterdings eine sehr rationalistifche Deutung, die das Schwergewicht des Gebetes vom Suchen und Sich-Emporwinden zum Allmächtigen auf eine geistig-sittliche Selbsiprüfung verlegt. Dies nur ein Beispiel unter Dutzenden. Eine solche Umdeutung ins Rationale mag in einer Zeit, die nur anerkannte, was