Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 33)
- Belongs to
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Gericht gehen, um als Jude bestehen zu können. Warum soll die jüdische Schule nicht auch dafür Blick haben, nicht auch dafür ein Wort finden? Wichtiger als das Eindringen in den jüdischen Stoff ist das Eindringen in das jüdische Kind. Es muß hart werden und stark, sehend und sicher. Doch wenn es bei gesenktem Haupt, vom Schmerz ergriffen, das Leid erfahren hat, durch das wir gegangen, dann mag es Vorkommen, daß es langsam den umflorten Blick zu uns erhebend sagt: Wir danken dir, daß du uns die Augen geöffnet hast für unseren Standort. Dann dürfen wir nicht vergessen den Vorhang wegzuziehen und hinter den 1000 Gittern, die es gesehen, die Welt zu zeigen, die sich ihm bei all dem und durch all das auftut. Frei, reich und stark wie nur eine und ihm zu eigen, sobald nur Herz und Seele ihm geöffnet wird. Es lernt Thora, Talmud, Geschichte, Hebräisch, von Palästina und von den Mizwaus, aber es muß noch viel öfter persönlich berührt sich fühlen von dem Hauch der Geschlechter, die da durchziehen, es muß noch mehr als bisher den Faden fühlen, der sich von jedem Wort des Gelernten zu seinem eigenen jungen Leben zieht. Die jüdische Schule trägt noch zu schwer an den Gewichten, a) der Autorität, b) des nach nichtjüdischen Mustern gepflegten konfessionellen Geistes einer hoffentlich für immer vergangenen Zeit, an die sich Trägheit, Genußsucht und Gedankenlosigkeit bis zur Erdrükkling alles persönlichen Judentums ansetzen konnte. Auch mit objektivem ״Lernen“ erziehen wir kein Kind, es muß zu tiefst angerührt sich fühlen, wenn es jene 3 Seelengüter sich bewahren soll, die es heute dringend braucht: die Fähigkeit, an sich zu arbeiten, ein starkes Gefühl für seine Ehre und den festen Glauben an sich selbst. Der Kampf gegen die Assimilation in Ost und West/0 Da die Frage der Judenassimilation und der Mittel, die gegen sie angewandt wurden, in allen Kreisen erhöhtes Interesse findet, dürfte es am Platze sein, einen Rückblick auf ein interessantes Dokument zu werfen, das vor genau 70 Jahren ziemlich stark im Vordergrund des Interesses stand. *) Dieser Aufsatz ist in seinen Hauptteilen einer Betrachtung von Rabbiner Raphael Breuer זצ״ל über die Mihalowitzer Beschlüsse entnommen.