Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 32)
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141 wirrung stiften und kann auf keinen Fall, im Einzelnen so wenig wie in der Schülerschaft, die Einheitlichkeit, Geschlossenheit und gesammelte Kraft erzeugen, die eine gemeinsame religiöse Überzeugung gibt. Jüdische Kinder von heute und morgen bedürfen eines besonders starken Haltes mit Religiösem, gar nicht zu reden von Kindern gesetzestreuer Häuser, die zu einem Geschlechte starker Juden nur heranwachsen können, wenn der Lehrer mit ihren Eltexjt in der Grundüberzeugung des göttlichen Judentums, in der Suche nach dem Urgrund ihres Seins und ihres Sollens einig geht. Daß auch von Lehrern sogenannter Gemeinschaftsschulen diese Problematik gefühlt wird, läßt sich aus einem wahren Geschichtchen erkennen, das die in Köln erscheinende jüdische Schulzeitung vor Wochen gebracht hat. Im Bericht über eine Leipziger pädagogische Tagung, die unter Mitwirkung der Reichsvertretung dort stattfand, hat einer der Vortragenden auch Gelegenheit geben wollen, seine theoretischen Erörterungen über den Midrasch in ihrer Anwendung auf die Praxis des deutschen Unterrichts zu veranschaulichen. Zu diesem Zwecke war eine Versuchsklasse der dortigen israelitischen höheren Schule bestellt worden. Als aber die Klasse erschienen war, erklärte der Vortragende, der inzwischen gehört hatte, daß es sich in der Hauptsache um orthodoxe Kinder handelt, er wolle die Kinder nicht in Gewissenskonflikte bringen und könne die Lehrprobe darum nicht abhalten. So weit wäre die Geschichte ein schönes Zeugnis von pädagogischem Finger- Spitzengefühl. Nur muß man sich fragen, wie der betreffende Herr, der im Philanthropin Deutsch unterrichtet, es dort mit den gesetzestreuen Schülern hält. Aber nicht nur von der Situation des Hauses, sondern auch von der persönlichen Situation des Kindes, ja hiervon vor allem hängt der Wert des Unterrichtes in der jüdischen Schule ab. Von ihr muß die Erziehung ausgehen und immer wieder zu ihr zurückkehren. Jedes Geschlecht und jede Altersstufe hat ihr eigenes Schloß und jedes verlangt einen eigenen Schlüssel. Vor allem aber verlangt es die Situation .des jüdischen Kindes von heute. Es soll sich keiner einer Illusion hingeben. Es lebt im härtesten Exil. Zweitausend Jahre haben es dem Menschen unverständlich und der Welt unbequem gemacht. Es gibt kaum ein Fleckchen auf Erden, da es sicher wäre, kein Volk, das sein Los mit dem seinen verbände. Es muß mit dem Kleinsten fürlieb nehmen, mit dem Größten ringen. Es hat härter als andere zu arbeiten, um nur als Mensch leben zu können, es muß unerbittlicher als andere mit sich ins