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Nahalat tsevi · 1936-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1936) · p. Seite 140

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 4-6 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 140 (sequence 30)
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140 gangen, den Kindern einen neuen Anfang zu ermöglichen, ist dringendes Gebot der Stunde. Ist die jüdische Schule einer solchen Aufgabe gewachsen? Ja und nein. Es kommt darauf an, welcher Art sie ist. Früher gingen die meisten jüdischen Kinder in nichtjüdische Schulen. Nebenher ging eine Religionsschule, im besten Falle eine Talmud-thora. Jüdisches und Nichtjüdisches liefen zusammenhanglos nebeneinander her. Der Jude hatte keinen Sinn mehr für die Totalität des Judentums und sah die Aufgabe der jüdischen Unterrichtsstunde im besten Falle darin, der Schule etwas von ihrer assimilierenden Wirkung zu nehmen. Durch die Verengung des Bereiches jüdischer Erziehung auf Schrift-Übersetzung und Gesetzes-Gehorsam entstand in der Seele, im Haus und im Leben eine unheilvolle Zweigeteiltheit, ein Bruch. Die jüdische Schule, und vor allem in der Gestalt, wie sie S. R. Hirsch gefordert hat, sollte diesen Bruch wieder heilen, indem sie das Judentum auf der ganzen Breite des Lebens, das vor dem Jugendlichen entrollt wird, zur Anschauung bringt, in seinem Reichtum und nicht an die Wand gedrückt, im Mittelpunkt und nicht als Anhängsel, in allen Bezirken menschlicher Kulturarbeit wirksam zeigt. Wenn die jüdische Schule im Laufe der Zeit dem Urbilde nicht treu geblieben ist, nicht treu bleiben konnte, so war nicht, wie oft angegeben wird, nur der Staat schuld, dessen Lehrplänen und — Zielen sie sich anpassen, mußte, vielleicht noch viel hemmender war der Kampf, die Anfeindung, Aushungerungsmethode, die die meisten Gemeinden der Idee der lebenumfassenden jüdischen Schule entgegensetzte. Die Repräsentanten der Großgemeinden wollten nichts von einer jüdischen Schule wissen. Höchstens für die Ausländer. Freilich, wenn der Vorsitzende der zionistischen Vereinigung in Deutschland auf dem Delegiertentage sagte, daß bisher die jüdische Schule Sache der Zionisten gewesen sei, so ist das ein grober Irrtum. Die ersten jüdischen Schulen, in denen auch oder meist Profanes gelehrt wurde, gingen von den Reformern aus. Sie sollten der Assimilation dienen. Die jüdische Schule als Pflegestätte jüdischer Kultur, geschichtlichen Judentums in Lehre und Leben, wurde ausschließlich von der Orthodoxie erkämpft. In der Theorie haben sich die Zionisten freilich nicht dagegen ausgesprochen. In der Praxis — die Pioniere der jüdischen Schulen wissen davon zu erzählen — haben sie sie oft genug im Stich gelassen.

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