Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 20)
- Belongs to
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130 Imperativen, an leuchtenden religiöfen Idealen, an charakterßarken Vorbildern der Selbftdisziplin. Auch bei uns gibt es Minderwertige, die das, was untere Vorfahren Liederlichkeit nannten, als Sexualreform bezeichnen und moralifchen Schwachfinn mit der ftolzen Etikette einer neuen Lebensweisheit verfehen. Und diele Widerftandslofigkeit gegenüber den Anftürmen des individuellen und fozialen Trieblebens, fie hat nicht nur das jüdifche Haus und die jüdifche Familie, fondern ebenfo die jüdifche Gemeinde und die Gemeinfchaft jüdifcher Gemeinden erfabt. Fragen Sie doch einmal die groben jüdifchen Gemeinden und die groben jüdifchen Verbände, wie fie grundfätzlich über die religi- Öfen Imperative unferes Thoragefetzes denken? Sie werden im beften Falle eine ausweichende Antwort bekommen. Die Wahrheit werden Sie niemals hören. Die Wahrheit aber lautet: In den jüdifchen Grobgemeinden und Gemeindeverbänden haben eine beftimmte Religion nur die einzelnen Menfchen, die ihnen angehören. Die Gemeinden und die Verbände als folche haben überhaupt keine Religion. Sie ftellen blob den äuberen Rahmen einer Gemeinfchaft dar, die das Bekenntnis zu Thora und Mizwoth dem perfönlichen Belieben jedes einzelnen überläbt. Auch fie find fternenlos geworden. Es ift das grobe gefchichtliche Verdient! der Freien Vereinigung, fchon vor einem halben Jahrhundert das offene Bekenntnis zum orthodoxen Judentum als die einzig legitime Grundlage, als die unerläbliche Vorausfetzung jüdifcher Gemeinfchaftsbildung verkündet zu haben. Zu einer Zeit, als noch kein Menfch an die heute beflehenden jüdifchen Organifationen dachte, trat die Freie Vereinigung auf den Plan und erklärte die Fürforge für die Intereffen des orthodoxen Judentums für ein Anliegen der getarnten jüdifchen Gemeinfchaft. Denn es ift ja gar nicht fo, wie man vielfach glaubt, dab die Freie Vereinigung ein von der groben jüdifchen Gefamtheit abgefplitterter Verein einer Handvoll orthodoxer Juden fei, die jede Beziehung zur jüdifchen Gefamtheit abgebrochen haben. Ausdrücklich heibt es in den Satzungen der Freien Vereinigung, dab Mitglied der Freien Vereinigung jeder bürgerlich unbefcholtene Jude werden kann. Ihr ift jeder Jude willkommen, der das orthodoxe Judentum als die Seele der jüdifchen Gemeinfchaft und als Grundlage und Ziel der jüdifchen Gemeinfchaftsarbeit anerkennt und ihr feine geiftigen und materiellen Kräfte widmen möchte. Die Freie Vereinigung fteht auf dem Standpunkt, dab in jeder jüdifchen Seele eine unzerftörbare Sehnfucht nach Thora und Mizwoth lebt,