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Nahalat tsevi · 1936-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1936) · p. Seite 124

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 4-6 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 124 (sequence 14)
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124 Gesellsshaft und die Nationen in ihnen, die das herrlich große Thema der Thora, der Propheten und der anderen Heiligen Schriften bilden? Ist nicht das Leben ihrer aller Vorwurf und folgt nicht geradezu zwingend hieraus, daß ״sich selbst begreifendes Judentum“ nur ein Judentum sein kann, das sich selbst aus seiner Beziehung zum Leben begreift, wie es das Leben wiederum aus seiner Be- Ziehung zum Judentum wertet. Ein Organon ist die Thora, uns geoffenbart, daß wir mit Hilfe dieses Organons uns selbst in Natur und Geschichte begreifen. Wohl ist dieses Organon nicht leicht zu handhaben, wohl bedarf es hierzu dauernden, nie endenden Studiums. Wohl sind nur wenige in Israel gewürdigt, Meister in der Handhabung dieses Organons zu werden. Aber die gewaltige Schwierigkeit, das Organon zu handhaben, darf das Bewußtsein nicht trüben, daß das Studium der Handhabung nicht ausschließlicher Selbstzweck ist, sondern eben auf die Handhabung selber abzielt. Eine ״Thora des Lebens“ ist unsere Thora. Dieser Satz will wortwörtlich verstanden sein. Nicht das Studium im Beth Hamidrasch allein, erst recht nicht die Beziehung zu überhimmlischen Welten allein, sondern vor allem die Erstreckung der Thora auf dieses unser konkretes, irdisches Leben, wie es sich in der Natur als ausgefülltem Baum, in der Geschichte als ausgefüllter Zeit im steten Wechsel der Erscheinungen vollzieht, das erst macht unsere Thora in Wahrheit zu einer ״Thora des Lebens“. Diese Erstreckung verlangt allerdings nicht nur Kenntnis der Handhabung des Organons, sondern auch Kenntnis der Elemente des in Natur und Geschichte sich entwickelnden und vollziehenden Lebens. Wenn ,,sich gelbst begreifendes Judentum“ ein Judentum ist, das sich selbst in seinen Beziehungen zur ewig wechselnden Natur und Geschichte, das die ewig wechselnde Natur und Geschichte aus dem Judentum begreift, so ergibt sich daraus die •an keinen Ort und an keine Zeit gebundene Forderung, daß den bewußten Juden Natur und Geschichte nimmer verschlossen bleiben dürfen. Das Besondere, das Eigene, das neuartig Große, das die Thora zu den Erscheinungen in Natur und Geschichte zu sagen hat, und zwar nicht einmalig für immer, sondern jeder frischen Epoche als liebende Erzieherin und Wegweiserin anteilnehmend zugeneigt: das ist die Garantie nicht nur für die Ewigkeit, die ewige Unabänderlichkeit der Thora, sondern auch die Garantie für die Treue ihrer Söhne und Töchter. Wenn die Thora für Natur und Geschichte zeugen darf, zeugt sie auch stets für sich selbst.

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