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Nahalat tsevi · 1936-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1936) · p. Seite 120

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 4-6 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 120 (sequence 10)
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״Was bin ich denn als Jude? Was ist Judentum?“: Solange es sich nur um einen ״barben Rambam“, um einen ״schweren Mehorscho“ handelt, war die jüdische Gasse zur Antwort bis an die Zähne gewappnet. Aber diese Frage ging eben nicht au! Einzelheilen, sie ging aufs Ganze! Wohl mochte jeder Teil hinreichende Stütze im System des Ganzen haben, und wohl mochte das Ganze jeden seiner Teile tragen. Wer aber trägt das Ganze? Warum das Ganze? Wozu das Ganze? Als au! diese Frage die jüdische Gasse verstummte oder sie gar als ״epikuräisch“ entrüstet zurückwies, da erbebten die Säulen der jüdischen Gasse, und die Wohnstätten edelster Frömmigkeit erfüllten sich mit Rauch. — Denn aus Natur und Geschichte saugt diese Frage ihre Kraft. Die Beziehung des Judentums zu Natur und Geschichte erhebt sie zum alles entscheidenden Problem. Die alle Menschen tragende Natur und die alle Menschen leitende Geschichte sind ihr Standort, und wenn Judentum außerhalb der Natur und außerhalb der Geschichte steht, so ist das Problem in der Tat unlösbar, so ist in der Tat schon die Frage an sich ״epikuräiseh“, so kann das Judentum nur auf immer wieder sich erneuernden Bewährungswundern Gottes gründen oder auf — Milieu und Autorität allein. Es hatte aber die jüdische Gasse in Jahrhunderten vor Rabb. Hirsch unter dem Druck schwerster Verfolgungen, immer wieder genötigt, einzig und allein auf den verbalen Fortbestand der Gesetzestradition an sich bedacht zu sein, den lebendigen Zusammenhang mit Natur und Geschichte verloren. Niemand hat ergreifendere Worte für die in diesen Jahrhunderten furchtbarsten Kampfes ums nackte Dasein der Thora, allein unter der Herrschaft von Milieu und Autorität, allein durch das Bewußtsein der Gottesknechtschaft entwickelte Frömmigkeit unserer Väter gefunden als Rabb. Hirsch. Niemand aber hat auch, gleich ihm, mit einer geradezu revolutionären Entschiedenheit, den Finger auf die schwärende Wunde der thoratreuen Judenheit gelegt, die sich dem an Natur und Geschichte, also am lebendigen Leben, erstarkenden Menschengeist entzieht, von ihm sich durch künstliche Abgründe scheidet, seinen Hunger ungestillt läßt und ihn schließlich an den Scheingütern Westeuropas dem sicheren Verderben preisgibt. Thoren, die da wähnen, der Verfasser der 19״ Briefe“ habe nur Deutschlands Juden und diese nur deshalb im Auge gehabt, weil bei ihnen nichts mehr zu verlieren gewesen sei. Vor hundert Jahren gab es in Deutschland noch eine Fülle von Thoragelehrten, war der Gegensatz von Ost und West gerade erst im Entstehen

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