Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 9)
- Belongs to
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119 zu erkämpfen, auch wenn sie als Kaufpreis die Abdankung der Thora fordert. Sind die 19״ Briefe“, die zum ersten Male die ganze Problematik des jüdischen Volkstums im Galuth schonungslos enthüllten, ohne dieses Volkstum zu negieren, etwa nach hundert Jahren weniger aktuell, weil inzwischen diese Persönlichkeit auf der geschichtlichen Tribüne erschienen ist und ihr gerade im Osten all die vielen Tausende milieu- und autoritätentfremdeter Juden nur allzu willig Gefolgschaft geleistet haben? Nicht die leiseste Spur geschichtlicher Verwitterung nagt an den 19״ Briefen“. Der Dreiklang ihrer Fragestellung trifft das Ohr der Urenkel mit der ganzen Wucht eines neu entstandenen Seelenkindes. Denn diese Fragestellung wird immer wieder geschehen, solange es ein — Galuth gibt. Nicht daß sie noch nach einem Jahrhundert besteht, sondern daß sie nicht seit Jahrhunderten bestand, bedürfte der Erklärung. — V. ״Was bin ich denn als Jude? Was ist Judentum?“ Die dreifache Wurzel dieser Frage, die individuelle, soziale und nationale, geht auf eine einzige gemeinsame Wurzel zurück. Diese einzige gemeinsame Wurzel ist das — Leben. Diese einzige gemeinsame Wurzel ist die im Leben gründende — Persönlichkeit, in der sich das individuelle, das soziale und das nationale Element zu einer synthetischen Geschlossenheit rundet. Sie ist es, die ״denken, begreifen, mit Geist erfassen will, was man achten soll“. Vor hundert Jahren drang der scharfe Wind des Lebens schlechthin in die jüdische Gasse. Er änderte nicht nur — zum mindesten in Deutschland — die wirtschaftlichen Tatbestände der jüdischen Gasse, — hiervon sprachen wir im vergangenen Jahre — er änderte auch, und zwar in radikalster Weise, die seelischen Tatbestände der Bewohner der jüdischen Gasse und ändert sie heute noch unausgesetzt, namentlich im Osten Dem unausrottbaren Menschenhang nach Glück eröffnet er den Blick fiir bislang ungeahnte Möglichkeiten. Dem sozialen und dem nationalen Empfinden stach er den Star für die furchtbare Unnatur des Galuth. Der Bousseau’sche Buf: Zurück zur Natur!, wie er bei den Völkern Schranken niedergerissen hat, die in vielen Jahrhunderten errichtet worden waren, und wie er die angeblich freie Persönlichkeit aus ihren Trümmern hat erstehen lassen: dieser Ruf durchzog und durchzieht heute noch die jüdische Gasse und raubt der Thora allenthalben jahraus, jahrein die wertvollsten Menschen.