Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 8)
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116 der konsequent sozialistisch-jüdischen Arbeiter. Aufschrei des aus Milieu und seiner Autorität an die Gesellschaft entlassenen und von der Gesellschaft zurückgestoßenen jüdischen Gemeinschafts־ menschen gegen das Kainzeichen, das ihm das Judentum an die Stirne heftet und das ihn in der Gesellschaft lebensunfähig macht, Aufschrei, der sich namentlich beim ostjüdischen Arbeiter bis zum fanatischen Haß gegen die Thora zu steigern vermag. Hat nicht das Scheitern der deutschen Judenemanzipation das soziale Problem der Juden in der ganzen Welt erneut zur Diskussion gestellt? Zehrt nicht das jüdische Arbeiterproblem am Mark des Ostjudentums? Ist nicht das ganze neue Erez Jisroel im Grunde ein Arbeiterproblem? Sind die 19״ Briefe“ nicht auch nach hundert Jahren aktuell? — Noch aber ist in Benjamin das jüdische Nationalbewußtsein nicht erstorben. An den Völkern der Erde schärft er seinen Blick und wertet das jüdische Volk in seiner höchst kümmerlichen Galuterscheinung. Er sieht das jüdische Volk verachtet von den übrigen Völkern. Elend und Sklaverei sind sein dauerndes Los. Er sieht die übrigen Völker den Gipfel der Kultur, des Wohlstandes und des Glücks ersteigen, während die jüdische Nation arm bleibt an allem, was Menschen groß macht und edel und ihnen das Leben verschönt. Er vergleicht das jüdische Volk mit Ägyptern, Phöniziern, Griechen, Römern, Italienern, Engländern, Deutschen, und er stellt die Frage, welche Kultur, welche Eroberungen im Felde der Wissenschaft, Kunst und Erfindung, überhaupt welche Größe das jüdische Volk erzeugt hat. Er sieht es bis aufs letzte aller Volkstümlichkeit beraubt und stellt fest, daß man uns dennoch als Volk sieht. Jüdische Nationalwissenschaft und jüdische Nationallehre sind ihm der Inbegriff kleinlichster Kleinigkeiten, und er vermißt jeden Zusammenhang mit dem individuellen und nationalen Leben. — Es ist der Benjamin des zionistischen Judentums, der hier zu Worte kommt. Die Kritik, die er am Judentum als Volkserscheinung übt, ist genau die Kritik, die Jahrzehnte später den Zionismus aus sich entläßt. Milieu und Autorität können den Sinn für die unermeßlich grausame Anomalie des jüdischen Volkes im Galuth für lange Zeit hemmen. Fallen sie fort und ist keine Ge״ samtidee lebendig, die diese Anomalie begründet, notwendig macht und mit einem Ziel in Zusammenhang bringt, so tönt der schrille Sehnsuchtsschrei nach nationaler Emanzipation durch die Galuthnacht und wartet nur auf die Persönlichkeit, die den Mut hat, sie