Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 6)
- Belongs to
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116 oder unbewußt, in Fortsetzung oder in Auseinandersetzung von der Lichtfülle der 19״ Briefe“ zumindest einen Strahl entleiht. Die Antwort, die Babb. Hirsch dem Benjamin seiner Zeit und seines Landes gegeben hat, ist eine Antwort für die Benjamins aller Länder und aller Zeiten. IV. Milieu und Autorität hatten Jahrhunderte des Galuth die Thoratreue der Söhne unseres Volkes gewährleistet. Heute gibt es kaum mehr einen Ort der Diaspora, wo die Mauer des Milieus nicht rissig, die Kraft der Autorität nicht brüchig wäre, heute gibt es das neue Erez Jisroel, wo das Milieu erst gestaltet, die Äutoritat erst errichtet werden muß, heute gibt es überall und all enthalben den milieuentwachsenen oder mileuentlaufenen, den autoritat entfremdeten oder autoritätverneinenden Benjamin, der ״denken, begreifen, mit Geist erfassen will, was man achten soll“. Mit einem Mut ohnegleichen hat Babb. Hirsch diesen Benjamin in das thoratreue Schrifttum geführt und in 18 Briefen dargetan, daß dem überlieferten Judentum, der äußeren Stützen eines nur ererbten Milieus und einer lediglich überkommenen Autorität beraubt, eine solch unvergängliche und unverwüstliche Eigenkraft innewohne, daß es mit ihr und durch sie imstande sei, Milieu und Autorität, weit entfernt, durch sie gestützt zu werden, selber zu stützen, zu stärken, aufzubauen und zu errichten, seine schwankenden Söhne an sich zu reißen und die Entfremdeten sich zu gewinnen. ״Sich selbst begreifendes Judentum“: das ist das Thorajudentum in vollendeter Autarkie, gestützt auf sich selbst, Wahrheit und Zeuge der Wahrheit zugleich: das genaue Gegenteil dessen, was beschränkte Neunmalweise, die Babb. Hirsch nur vom Hörensagen kennen, ihm als Thora im Derech Erez immer wieder unterzuschieben wagen. — Jenseits von Milieu und Autorität, sieht Benjamin nichts Achtenswertes mehr im überlieferten Judentum. Schon als noch Milieu und Autorität ihn leiteten, war sein seelischer Standort bereits außerhalb des Judentums, nur daß Milieu und Autorität vermöge ihres äußeren Einklangs mit dem Judentum ihm selbst diese Tatsache verhüllten. Nun Milieu und Autorität von ihm abgefallen sind — wer denkt nicht sofort an die zahllosen Beispiele aus dem Osten — gehen ihm über Nacht die Augen auf, und er erkennt sich — draußen. Und von draußen holt er sich nun die Maßstäbe, an denen er das von ihm nur äußerlich erfaßte Judentum mißt. ״Was bin ich denn als Jude? Was ist Judentum?“, Tragik des