Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 90 (sequence 92)
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$Ö allgemeinen auch nicht gefehlt, folange die innere Ordnungsfreiheit noch ziemlich unbehelligt war.18 Aber allmählich legte fich die außenpolitifche Bremfe des Innuj mehr und mehr auch an das innere Getriebe, und die letzten disziplinären Kräfte taurokralifcher Autonomie (Schwanden dahin. Sogar J’rei’im gewöhnten fich daran, die materielle Schwäche der eigenen Führung zur Undiszipliniertheit auszunutzen. War da noch an einen planvollen Kampf gegen die Verführer zu denken, ja auch nur an einen geordneten Rückzug? Das ftumpfte zuerft die Entfchlußkraft des Willens, zumal man von dem Gegner überhaupt nicht mehr recht los kam, um fich gegen ihn (teilen zu können. Und dann: in dem Mähe, wie der Wille ftumpf wird, werden die Gefühle freier und entfalten fich, bald blafen ihnen die neckifchen Winde eines vermeintlichen Mizwotuns unter die Flügel, und fchon gaukeln fie (mit fröhlichen Luftfprüngen über Anftößiges, Zweifel und Hinderniffe hinweg) ein flottes, er» folgreiches Vorwärtskommen vor. So findet das Entweder-oder in der Praxis eine ftark behinderte Politik, die — o Weh und Schändet - fchon faß wie Methode gewordenes בדיעבד ausfiehl. Das Wappen des hinkenden Ja’kauw gilt nun innen wie draußen. Das iß mißlich und zermürbend, ohne Zweifel. Aber was kann helfen? Am allerwenigfien eine fyßematifch gezüchtete Neutralitätspfychofe, die nichts befferes weiß, als die allzugroße Gefellfchaß unbefugter, der Joche lediger Judentumsvertreter in ihrer fkrupelarmen Gefchäftigkeit nur ja nicht zu flören oder gar zu verärgern — als ob wir bei ihnen im Goluß wären und nicht bei den Völkern. Nein, jja’kauw auf befchwerlichen Königspfaden kennt die innere Neutralität und Leifetreterei als die politifche Quelle feines Unglücks19 und haßt fie. Er wird nie aufs eigene Vorwäriskommen verzichten und weiß, daß er dazu höchfte Kraß der Selbßzucht entwickeln muß: Herr feines Tempos zu.bleiben.20 Wer kann ihm helfen? Nur Gemeinfchafl der J’rei’im. Nur fie kann im fenßmentalen Überfchwang der Gefühle geduldige Treue und nüchterne Klarheit bewahren, nur ihr allein ehrenvolles Heldentum felbftlofer יראה fchützt die fromme Gefinnung vor fcheinheldifchem Draufgängertum oder maulheldifchem Mißbrauch, nur fie fchaßt unverdroffene Disziplin in Machtlofigkeit, nur fie rechtfertigt Bruderzwiß aus Treue zum König und führt zu tauberer Fronißellung gegen die Verführer, nur fie, Hort unferes 18 S. o. K. 27. » M'l. n 172 Raschi Eil. s. IX, Jalk.; J’h. 24 14, 15; M׳I. I 18 2r, I 38, Raschi; Schab. 55a אם לפניך וכ1׳. » I 33,4.