Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 86 (sequence 88)
- Belongs to
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Kurze Geschichte des Gottesstaates. Von Rabbiner Dr. L. Breslauer, Förth i. B. (Fortsetzung.) BO. Politik. Die Gefchichle des Gottesftaates ift feinem Volke Wiffenfchaft fürs Leben. In ihrem Lichte zeigen die Lebensintereffen des Judentums ihre hinreibende, ehrfurchtgebietende Grobe. Die jüdifchen Lebensintereffen zu vertreten geziemt nur dem, der fie verfteht. Wirklich verliehen kann fie aber nur, wer fie nicht blob kennt, fondern anerkennt und in ihnen lebt, wer alfo unfer taurogrundiges Gottesvolkstum bejaht, das Golub refpektiert, das hiftorifche Gefetz des Gottesftaatsvolks auch fürs eigene perfönliche Schickfal anerkennt und demenifprechend feine private Lebensführung taurotreu geftaliet. Haft du vor dem Steuerzettel deiner fchwachen Gemeinde (felbftverftändlich der echten) fo Refpekt, wie vor dem eines fiaatlichen machtgeftützten Finanzamtes? Ift die mündliche Tauro der Webftuhl deiner Weltanfchauung? Gibt dir das heilige Schrifttum Heimat- und Bürgerkunde einer gegenwärtigen Vergangenheit und Zukunft? Haft du den modernen Abftand von den קרבנות und von der gefunden Rigorofität jüdifcher Gefellfchaftsauffaffung heil überwunden? Deutet die einwärts weifende M'fufo an deinen Türen auch auf die Küchen-, Kleider- und Bücherfchränke deiner Wohnung als Geltungsbereiche deines Königs im Himmel und feiner Tauro auf Erden? Nur wer gottesftaatlich zu denken, zu wollen und zu fühlen vermag, nur wer als Untertan Gottkönigs empfindet, ift würdig, die jüdifchen Angelegenheiten zu führen. Aber jeder, Jude und Jüdin, ift dazu berufen, lieh von Jugend an zu folcher Würdigkeit zu ertüchtigen. Er mub willen, wie er die auf feinen Schultern ruhenden Belange anderen Menfchen gegenüber beftens wahrzunehmen hat, damit der Name unterer Gottheit, des Weltenkönigs, durch ihn geheiligt werde;1 darf leider auch nicht vergeffen, dab er angefichts der Internationale des Haffes, die fich vom Märchen unterer Rätfelhaftigkeit nährt, immer und überall die Gefamtheit vertritt. Jeder ift berufen. Und die Berufung birgt in lieh zugleich die 1 m 2232; J’ch. 3620•