Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 48 (sequence 50)
- Belongs to
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45• Stellung des wahren Judentums zu vermitteln, die Ihre Anziehungskraft auf die ״Fernen und auf die Nahen“ nicht verfehlt. Gewiß, das jahrzehntelange Programm der Orthodoxie ״Thora im Derech-Erez“ mag heute ebenso berechtigt und notwendig sein wie jemals in der Vergangenheit, aber es ist durch den Laiif der Ereignisse verblaßt und kann in unserem jüdischen Sein nicht mehr die zentrale Rolle spielen wie früher, da es insbesondere unseren jüdischen Akademikern einen ganz neuen, außerordentlich fruchtbaren Lebensinhalt bot. Heute macht sich umgekehrt das Fehlen einer neuen zentralen Idee in unserem jüdischen Leben bemerkbar, es fehlt uns, sofern* man die geistigen und seelischen Energien nicht völlig in dem Werk des Palästina-Aufbaues aufgehen lassen will, ein aktuelles jüdisches Programm, eine suggestive Parole, ein neuer Rahmen für den uralten, ewig-unvergänglichen Inhalt. Daß man in diesem ernsten Bemühen auch auf den in der Kabbala verborgenen Schatz stößt, das liegt nicht allzuferne. Sie birgt in ihrem Innern die schönsten Gedanken, die tiefsten Gemütswerte, die herrlichsten und erhebendsten Weisheiten. Nicht etwa, als ob die Hinwendung zur Kabbala eine Propagierung des Sohar-Studiums bedeuten würde, sie bedeutet vielmehr nur ein allmähliches Vertrautwerden mit der Gedanken- und Gefühlsrichtung der Kabbala, das im Laufe der Jahre zu einem inneren Wissen und (Besitztum dieser urjüdischen Welt- und Lebensanschauung reifen soll. Es gibt wohl außerhalb der Kabbala keine zweite Lehre, die derart beglaubigt und befähigt wäre, uns assimilierte Juden wieder zu echten Juden im Denken, Fühlen und Wollen zu machen. Die Hinwendung zur Kabbala bedeutet auch ebensowenig eine Frontstellung gegen irgend eine andere traditionelle Dar- Stellung des Judentums, etwa gegen diejenige Rabbiner Hirsclis. Es kann, wer sich mit der Kabbala beschäftigt, gleichwohl jedes Wort unterschreiben, das Rabb. Hirsch geschrieben hat. Allein, es hat dennoch jede Zeit das Bedürfnis, ihre eigene Form sich zu prägen und das Vergangene fortzuentwickeln zu suchen. Wenn der Versuch unternommen wird, diese Fortentwicklung gerade in der Kabbala zu vollziehen, so sind hierfür dreierlei Gründe von ausschlaggebender Bedeutung. Zunächst der Umstand, daß die Kabbala eine feste und sichere Grundlage bietet, die tief im jüdischen Schrifttum verankert ist. Die besten Männer in Israel haben sich ihre Welt-