Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 49 (sequence 51)
- Belongs to
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49 anschauung aus der kabbalistischen Literatur gebildet, während die Religionsphilosophen des Mittelalters verhältnismäßig wenig Einfluß auf das jüdische Volksbewußtsein zu gewinnen vermocht haben. Man kann von der Kabbala in weit höherem Sinne von einer ״authentischen Weltanschauung“ des Judentums sprechen, als von irgend einer anderen Lehre. Das Zurückgreifen auf die Kabbala schützt uns davor, aus eigener Pfaantasie heraus eine neue Lehre des Judentums zu konstruieren, die ohne Beziehung zum echten Judentum bliebe und sich selbst vor assimilatorischen Elementen wohl kaum schützen könnte. Darüber hinaus vereinigt aber die Kabbala gerade diejenigen Elemente in sich, nach denen unsere Seele dürstet. Sie ist voll von logischer Stärke, allen Verleumdungen zum Trotz, die sie zu einer magischen Lehre degradieren Wollen. Aber sie vernachlässigt gleichzeitig keineswegs die irrationalen Faktoren, sondern betont sie in stärkstem Maße und erfüllt damit unser innerstes Verlangen, das im vergangenen rationalistischen Zeitalter gewaltsam erstickt worden ist. Und sie gibt befriedigende Antwort auf viele Fragen und Probleme des Lebens sowie des individuellen und nationalen Schicksales, womit sie in einer haltlos gewordenen Zeit den Sinn des Daseins aufs neue zu deuten berufen scheint. Und endlich hat die Kabbala die Feuerprobe der Bewährung durch viele Jahrhunderte in geradezu einzig dastehender Weise bestanden. Auf ihr hat sich die Bewegung des Chaßidismus aufgebaut, die Millionen unserer elendesten und ärmsten Brüder und Schwestern neuen Lebensmut, Hoffnung und Trost gespendet hat. Millionen sind an diesem Lebensquell echt jüdischer Weisheit stark und unbeugsam geworden, haben die Kraft des Leidens und des Ausharrens aus ihren Tiefen geschöpft. In einer Zeit schwerster seelischer Erschütterungen bietet sich die Kabbala als die große Trostspenderin dar, die das Gemüt erhebt, den Geist beflügelt und den Willen stählt. Sie bietet sich all denen dar, die ihre Stimme vernehmen wollen, den ״Nahen“ nicht minder als den ״Femen“, und ihre verborgenen Schätze warten darauf, auch von uns gehoben imd gewürdigt zu werden. Noch hat der tragische Zusammenbruch des deutschen Judentums keine allumfassende und gewaltige Tesehuwa-Bewegung auszulösen vermocht. An uns liegt es, den Zehntausenden von Entwurzelten den Weg zu zeigen, die Bahn freizumachen. Auf diese schwache Hilfe ist unser Bemühen gerichtet. Am himm-