Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 47 (sequence 49)
- Belongs to
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47 ihrer Selbstgenügsamkeit herausgetreten und hat sich stärker als früher der jüdischen Oeffentlichkeit zugewandt. Der großangelegte Versuch der letzten Jahre, der nach dieser Richtung führt, ist Isaac Breuers Buch: ״Der neue Kusari“. Wie dieser ״Weg zum Judentum“ verläuft, braucht in diesem Kreise nicht erst dargestellt zu werden. Er ist gekennzeichnet durch den Willen zum Wiedereintritt in die ״Geschichtlichkeit“ des jüdischen Volkes, woraus sich die Bereitschaft zum Aufbau des Landes ergibt unter Verwirklichung des Programmes Thora im Derech-Erez. In ganz anderer Richtimg hingegen verläuft der von Simon Schwab hinausgesandte Ruf zur ״Heimkehr ins Judentum“. Es ist ein Ruf zur Loswindung von den letzten Fesseln der Assimilation und zur entschlossenen Rückkehr zu den unverfälschten Quellen der jüdischen Kultur, die sich nur im eifrigen und emsigen ״Lernen“ uns erschließen. Der grundlegende Unterschied zwischen diesen beiden Wegen liegt in der divergierenden Auffassung von der Herbeiführung der Herrschaft der Thora. Das Endziel der Thora-Herrschaft bleibt übereinstimmend das gleiche, zweifelhaft erscheint jedoch, wie so oft, die Art und Weise, wie dieses Endziel herbeizuführen ist. Soll es durch Israels ajktiven Gestaltungswillen, durch seinen ״Eintritt in die Geschichte“ erkämpft werden, oder hat Israel lediglich die ihm gesetzte Aufgabe des treuen Gottesdienstes im ״Lernen und Erfüllen“ zu vollbringen und das Endziel der Thora-Herrschaft dem alleinigen Lenker der Geschicke und der Geschichte zu überlassen? Je nach Beantwortung dieser schwerwiegenden Frage wird die Entscheidung über die Wegrichtung ausfallen, die zum Herzen des Judentums führen soll. Aber das Problem selbst kann seine Losung nur auf Grund einer umfassenden Untersuchung finden und wohl nur durch Israels Thoragrößen autoritativ entschieden werden. Unabhängig hiervon erhebt sich jedoch die Frage, ob der Mahnruf zur Lernbewegung genügt, um die Fernstehenden zu gewinnen. Denn es handelt sich hierbei nicht so sehr um den nachdrücklichen Hinweis auf die Pflicht des Lernens und die Befreiung von dem Irrtum der Assimilation, Forderungen, deren Richtigkeit und Gültigkeit heute ja ohne weiteres anerkannt werden, vielmehr geht es in erster Linie darum, all den Suchenden den Weg zum Judentum aufzuzeigen, ihnen die goldene Brücke zu bauen, die zur Thora und zum Lernen führt. Es handelt sich darum, in Lehre und Leben eine solch lebendige Vor-