Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 45 (sequence 47)
- Belongs to
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45 neue etwa mit folgender Formulierung wiederkehrt. ״Viele von uns können nicht mehr auf den alten Bahnen der Orthodoxie wandeln. Vielerlei Verstaubtes, zu Unrecht durch die Jahrhunderte Mitgeschlepptes stößt sie davon ab.“ Daß dieses alte Vorurteil gegen die Orthodoxie auch hier wieder als letzte Ausflucht vor der harten Unbedingtheit des orthodoxen Anspruches, der ja logisch durchaus erkannt wird, auftaucht, kann uns eben in Anbetracht der nicht zu verkennenden Schwere des Entschlusses nicht wunder nehmen. Aber man darf dem ehrlichen Wollen gewiß so viel Vertrauen schenken, daß dieses Vorurteil mit der Zeit als solches erkannt und überwunden werden wird, zumal die logische Erkenntnis sich von keiner Schranke eines Vorurteils aufhalten zu lassen pflegt. Selbstverständlich setzt dieses Vertrauen voraus, daß wirklich kein anderes Hindernis auf dem Wege steht als eben dieses Vorurteil. Eine tiefer begründete Ablehnung der Orthodoxie erfolgt in einer anderen Gruppe, die von der anderen Seite, vom Zionismus, herkommt. Hier bilden die ״Werkleute“ den Bund der ehrlieh und mühsam Ringenden, die von vornherein das Wesen des Judentums nicht im Nur-Nationalen erschöpft sehen, sondern in einer höheren Geistigkeit, wie sie in der jüdischen Geschichte lebendig ist. Sie suchen darum den Anschluß an die jüdische Geschichte und die Einfügung in das jüdische Volksleben. Dieses kann sich aber nur. in Palästina auswirken und dort nur innerhalb der Chaluziuth sich verwirklichen. Geistig wird dieses Leben jedoch durch die Bibel getragen und gestaltet. Deshalb wird eine Orientierung an der Bibel als erste Notwendigkeit betrachtet und damit unmittelbar verknüpft eine betonte Hinwendung zur jüdischen Tradition. Diese Hinwendung bedeutet indessen keinen Anschluß an die Lebensanschauung der Orthodoxie, denn von ihr fühlen sich die ״Werkleute“ durch den Gegensatz in der Stellung zur Offenbarung getrennt. Sie stoßen sich an der orthodoxen Auffassung von der ״Einmaligkeit“ der Offenbarung und von der durch sie bedingten Vorwegnahme der Entscheidung für alle künftigen Zeiten. Es bedarf in diesem Zusammenhänge nicht der Begründüng, daß und warum das ganze Gebäude des Judentums nach der ״orthodoxen Auffassung“ allerdings mit dem Begriff der einmaligen Offenbarung steht und fällt. Hier handelt es sich um die Entscheidungsfrage der Religion schlechthin, über die