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Nahalat tsevi · 1935-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1935) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 29 (sequence 31)
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29 Er ist die Mauer, an der alle Gegenströmungen sich brechen. Er ist der Mittel- und Sammelpunkt seiner Chassidim. Auch die ansgleichende Gerechtigkeit, die vom Überflüsse der einen den anderen zukommen lassen kann. Sein Wort ist Befehl. Der Chassidim- Rabbi stellt heute noch eine gewisse Form der Organisation dar, wenn man will die allermodernste Form, das Führer:prinzip. Gleich nach der Emanzipation der* Juden kommt der Drang nach Organisation zuerst unter Napoleon zum Ausdruck. Eine Notabelnversammlung von Kaisers Gnaden trat 1806 in Paris zusammen, und aus dieser Versammlung geht das ״Sanhedrin“ hervor, das eine Zeitlang grosse Hoffnungen erweckte, um aber bald in Vergessenheit zu geraten. Es hätte etwas Gutes und Heilvolles daraus entstehen können, wenn sich nicht Männer an die Spitze des ״Sanhedrin“ gestellt hätten, die unter Emanzipation vor allem Emanzipierung von Thora nnd Gesetz verstanden hatten. Die schriftliche Wahl fand unter Vorsitz von Furtado am Sabbath statt. Die Beantwortung der zwölf Fragen, an deren Spitze die Frage der Mischehe, fiel, was die paar Rabbinen unter Sinzheim nicht verhindern konnten, ganz im Sinne der napoleonischen Völkervermischung aus. Ein Lächeln des Kaisers galt den Herren mehr als der Sinaidonner und alle Mahnungen der Propheten. Der Kurzlebigkeit dieser Körperschaft ist es zu verdanken, dass weiteres Unheil verhütet wurde. Ihre letzten Spuren leben heute noch in den Konsistorien, Kirchen- und Oberräten Süddeutschlands, denen man anerkennen muss, dass sie heute jüdischere Bahnen einschlagen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts liess es, neben dem Zionismus, der in Ausnützung der Notkonjunktur zu einer mächtigen Weltorganisation angewachsen ist, auch das liberale Judentum in Deutschland nicht an Versuchen fehlen, den im Judentum stets lebendigen Organisationsgedanken sich zu eigen zu machen, im Gefühle der inneren Hohlheit und Haltlosigkeit, gewissermassen in diesem Organisationsgedanken Boden zu fassen und sich zu verankern. Wir erinnern an den ״Deutsch-Israelitischen Gemeindebund“ und den ״Verband der deutschen Juden״, deren Aufgaben heute der Preussische Landesverband und die anderen Landesverbände erfüllen. Wir erinnern an die jahrelangen Versuche zur Gründung einer Dachorganisation, die als Zwangsorganisation für die Juden des ganzen Reiches gedacht war. Mit dem Halberstädter Bund hatte sich auch die unabhängige Orthodoxie in Deutschland ihr Organ geschaffen. Die Stürme haben letzthin zur Schaffung einer Reichs Vertretung

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