Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Belongs to
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etwa 1520 von König Sigismund gegründet und bestand über 200 Jahre lang bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seine Zusammensetzung war etwa so: jedes der Länder hatte so etwas wie eine Landesorganisation mit einem Eabbinischen Rate. Die rabbinischen Räte aller vier Länder kamen zweimal im Jahre zu einem Kongress zusammen, und zwar während der grossen Messen in Lublin und in Jaroslaw im Monat Adar und Elul. Ihre Statuten und Verordnungen waren bindend für alle ihre Länder. Aber auch darüber hinaus, so auch in Deutschland, selbst im Orient nahm man ihre Beschlüsse zur Richtschnur und holte wiederholt ihre Entscheidungen ein. Zn ihren Kompetenzen gehörte die Regelung der Judensteuem, die Organisation der Gemeinden, der Ausbau der Institutionen. Oft gab es auch Streitigkeiten in Kehilla und Klall zu schlichten. Und die Behörden verschafften den Verordnungen der Synode volle Nachachtung. Sie konnte den Gemeinden, die nicht parierten, empfindliche Geldstrafen auferlegen und Einzelne, die sich ihr widersetzten, mit der Waffe des Cherem zum Gehorsam zwingen. Die Vierländersynode wurde auch zu grossen Aufgaben herangezogen, so für Unterstützungen, für Hilfs- und Rettungsaktionen, wenn Brüder irgendwo in Not geraten waren. Männer von zentraler und ewiger Bedeutung sehen wir an der Spitze oder im Mittelpunkt mitarbeiten. Nennen wir nur die wenigen Namen: Rabbi Mordechai Joffe (לבושים), Maharam aus Lublin, R’mo, Schelo, Maharscho, auch der hohe Rabbi Löw in Prag beruft sich wiederholt auf Entscheidungen der Vierländersynode. Im 17. Jahrhundert war der Glanz der Synode leider schon soweit verblasst, dass sie der verhängnisvollen Sabbatai Zwi- Verirrung kein Ende bereiten konnte, und hundert Jahre später hatte sie nicht mehr die Kraft, in jenen unheilvollen Altonaer Streit, obwohl sie angerufen war, einzugreifen. Freilich muss man bedenken, dass sowohl Amsterdam und der Orient, die am meisten von der Sabbatai-Zwi-Bewegung erfasst waren, wie auch Altona, der Herd jenes Streites, nicht zum Machtbereiche der Synode gehörten. In der Schul des Remo in Krakau wie auch in Posen befinden sich noch Protokolle der Vierländersynode, in Lublin wurden aber leider die letzten schriftlichen Reste, obwohl man sie dort am meisten suchen müsste, verbrannt und vernichtet. Im 18. Jahrhundert überträgt sich der Organisationsgedanke von der Synode allmählich auf den damals aufkommenden und rapid wachsenden Chassidismus: Der Rabbi ist die Organisation.