Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 27 (sequence 29)
- Belongs to
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innen und aussen vertrat. Bald darauf war es unter dem Schutze des islamilischen Halbmondes das Gaonat in Babylonien, zu dem die gesamte Diaspora als zur obersten geistigen Führung hinschaute. Etwa 600 *>ahre lang, bis zum Jahre 1000, bis zum Aufgang der neuen Sonne im spanischen Kastilien. Dort gab es zu allen Zeiten den jüdischen Fürsten, der Vertrauter des Kalif oder Königs, sein Bankier oder sein Leibarzt war und an der Spitze der jüdischen Gemeinschaft stand. Einmal hiess er Chasdai, ein anderesmal Samuel Hanagid, wieder einmal Abarbanell. Es fehlte nie der richtige Mann am richtigen Platz. Das mitteleuropäische Mittelalter bildet den dunklen Punkt unserer, ja der Weltgeschichte. Da musste freilich schon unseren Vätern im Ghetto aller Sinn für Schönheit, Form, Farbe, Ordnung, Lebensrythmus, also für alles, was zur Organisation gehört, vergangen sein. Nicht allein durch den hermetischen Abschluss im Ghetto seit 1215. Allein trotz allem und allem gab es die Organisation. Wie könnte sonst ein Rabbi Gerschom Einrichtungen und Statuten von tausendjähriger Gültigkeit getroffen, wie Maharil im fünfzehnten Jahrhundert Minhagim und Melodien gesammelt und eiugeführt haben, die heute noch, nach 500 Jahren, unsere Synagogen beherrschen, wenn nicht eine Behörde, eine unsichtbare Organisation des Judentums hinter ihnen gestanden hätte! Der Schulchan Aruch, an dem zwei Jahrhunderte, von 1300—1500, und drei Länder teilhaben, ist die gewaltigste Organisation, die je die Welt im Reiche des Geistes gesehen hat, die grösste und stärkste Wirkung und Bindung, die je von einem Buche — nach der Thora selbst — für eine ganze Nation für alle Zeiten ausging. Es beginnt dieses Wunderwerk in Deutschland mit Rosch und בעל הטורים, setzt sich in Safed mit Rabbi Josef Caro fort und findet seinen Abschluss in Polen mit Remo in Krakau. Und gerade Polen und die Ostländer, denen man heute noch gerne jeden Sinn für Schönheit und Ordnung, Form und Forum abspricht, haben im Mittelalter die schönste und straffste Organisation hervorgebracht, die Organisation, die man als die natürliche Vorläuferin der Freien Vereinigung und der Agudas Jisroel anspreehen muss, nämlich die Vier-Länder-Synode, genannt ועד ארבע ארצות. Das Thema ist leider zu wenig bekannt und gerade die Orthodoxie sollte mit dieser Materie vertraut sein. Diese Kommission oder dieser jüdische Kongress umfasste die vier Länder Polen, Litauen, Russland und Galizien. Er wurde