Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Belongs to
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diese Zusammenkünfte geschehen auf Grund einer ausgesprochen gemeinsamen geistigen Haltung der Teilnehmer. Als ausgesprochen männlich hat Dilthey diese Gesellschaft charakterisiert. ״Nie ist das männliche Glück einer auf Ueher eins timmung der Gesinnung beruhenden Freundschaft des gegenseitigen Verständnisses und Vertrauens so empfunden worden, als unter diesen Menschen.“104) Der unter dem uneingeschränkten Einfluß der Frauen stehende ״jüdische Salon“, ״wo natürlich jeder Mensch von Talent, wenn es auch nur gesellige Talente sind, gerne gesehen wird“,105) stellt eine spätere letzte Phase der Entwicklung dar. Im Salon verbindet zwar auch noch ein ״Geist“, aber der ist nicht mehr einheitlich und ausschließlich. Neben ihm spielt schon die Geselligkeit eine gleich große gesellschaftbildende Rolle. Die tatsächliche oder bewußtseinsmäßige Zugehörigkeit zu einer außerjüdischen Gruppe hatte die jüdischen Glieder der Aufklärungselite zu einer neuartigen Verhaltungsweise gegenüber ihrer ursprünglichen Gemeinschaft veranlaßt. Sie sind aus ihr nicht ausgeschieden, gehörten aber nicht mehr ausschließlich zu ihr. Es haben sich in dieser Situation zwei verschiedene Verhaltungsweisen herausgebildet, die die Schwierigkeit dieser Lage überwinden sollten. Die eine beruhte auf dem Versuch, eine radikale Zweiteilung der Lebenssphäre durchzuführen. Der Versuch wurde von Mendelssohn in seinen mittleren Jahren von etwa 1755—1770 unternommen. Er hatte während dieser Zeit sich weder nach ״außen“ über das Judentum irgendwie geäußert, noch nach ״innen“ eine im Sinne der Aufklärung gelegene Beeinflussung seiner ״Glaubensgenossen“ unternommen. Seine literarische Tätigkeit erstreckte sich auf das Gebiet der Philosophie und Aesthetik, das anscheinend mit seinem Judentum nichts zu tun hatte.106) Daher konnte er zwischen seinem jüdischen und außerjüdischen Leben trennen. Dieselbe Haltung nahm im großen ganzen auch Marcus Herz ein. Er las für die Gebildeten in Berlin physikalische und philosophische Kollegs,107) äußerte sich aber zu den die Juden betreffenden Fragen nur in seinen späteren Jahren.108) Die zweite Verhaltungsweise versuchte die Zweideutigkeit 104) Dütbey, a. a. O. S. 134. 105) Aus einem Brief Schleiermaehers, bei Landsberg, S. 15. 106) Kayserling, a. a. O. S. 142. 107 ) Landsberg, a. a. O. S. 40. 108) Kayserling, a; a. O. S. 276 ff.;