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Nahalat tsevi · 1935-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1935) · p. Seite 23

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 23 (sequence 25)
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genössischen Geistigkeit auch zu dem seinen erhebt, erwirbt er sich im Sinne dieser Geistigkeit das Recht, sich mit den anderen ״Deutschen“, die sich mit ihm in der Bewunderung Gottscheds und der von ihm vertretenen Geistigkeit finden, gleichzusetzen. Daß ihm dadurch tatsächlich das Recht zur Gleichsetzung zu־ erkannt wird, geht aus der bejahenden Antwort von Gottsched hervor, der ihm die Aufnahme in sein Haus zusichert.99) Gumpertz ist nach Beendigung seines medizinischen Studiums £uf einer anderen deutschen Universität — die Fahrt nach Leipzig ist durch den Ausbruch des schlesischen Krieges verhindert worden100) — der erste Jude in Berlin, der zur Gesellschaft der Aufgeklärten gehört, an ihren Zusammenkünften und Vorträgen teilnimmt.101) Von da ab ist der gesellschaftliche Verkehr zwisehen Juden und Nichtjuden unter den Aufgeklärten an der Tagesordnung. Es entspricht der oben geschilderten Entstehung der Geisteselite, daß sich nicht etwa größere Gruppen von Juden und Nichtjuden auf einmal ״finden“, sondern nur Einzelne, Vereinzelte untereinander bekannt werden. Die Bekanntschaft und spätere Freundschaft von Lessing, Nicolai und Mendelssohn, ist ein Schulbeispiel für die Begegnung von Vereinzelten, die in erster Reihe, wie das Bodeck richtig gesehen hat, der Umstand zusammenführte, ״daß sie alle außerhalb der bestehenden Ordnung standen“.102) Es ist das Ergebnis einer stufenmäßigen Ent־ wicklung, wenn in den achtziger Jahren jüdische Salons aufgemacht werden, die die gesamte Geisteselite Berlins bei sich aufnehmen. Als die erste Stufe der Entwicklung kann das Zusammentreffen Einzelner angesehen werden, die eine gemeinsame geistige Haltung, ein gemeinsames geistiges Streben verbindet. Darauf folgt die Beteiligung von Juden an den ״gelehrten Ge- Seilschaften“ und ״gelehrten Vorträgen“. Der gesellschaftliche Besuch jüdischer Häuser durch Nichtjuden beginnt erst, nachdem sich einzelne Juden, die durch die Aufklärungsgesellschaft hindurchgegangen sind, durch Heirat ein Haus gegründet haben. So finden sich die Gebildeten bei Mendelssohn und Dr. Marcus Herz, dessen Haus erst später zu einem ״Salon“ wird.103) Alle ") Danzel, a. a. O. 335. 100) Danzel, a. a. O. 335. 101) Eschelbaoher, a. a. O. 102) Bodeck: In seiner Einleitung zu Mendelssohns Phädon, Leipzig 1869. 103) Landlsberg, Henriette Herz, S. 53 ff.

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