Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Belongs to
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2i auch zu einer außerjüdischen Gesellschaft tatsächlich gehören, zu ihr gezählt werden, oder sich selber wenigstens zu ihr zählen. Die Frage der Zurechnung zur Geisteselite ist von Weil ausführlich erörtert worden.93) Die Schwierigkeit liegt darin, daß es für die Geisteselite keinen festen Maßstab gibt, wonach sie ihre Glieder zu sich gehörig betrachten kann. Die Zugehörigkeit zur Geisteselite hängt nicht unbedingt von irgend einer Leistung oder Qualifikation ab. Sie erfolgt allein durch das Beteiligtsein am Geiste, den die fragliche Elite repräsentiert, oder dem sie zustrebt. Daher kann sich jemand zur Geisteselite gehörig betrachten und von anderen so betrachtet werden, ohne mit Mitgliedern der Geisteselite gesellschaftlichen Verkehr zu pflegen. Doch läßt sich sagen, daß die Mitglieder der Geisteselite dazu neigen, gesellschaftliche Mittelpunkte zu schaffen, die den Verkehr der Zugehörigen mit einander erleichtern und so das ״Beteiligtsein am Geiste“ gewährleisten. Von der Aufklärungselite heißt es bei Dilthey: ״In Berlin, in Hamburg, in anderen größeren Städten, fanden sich die Vertreter der Aufklärung in neu begründeten Gesellschaften, in den Zusammenkünften der Freimaurer, bei gelehrten Vorträgen zusammen, und zuletzt wurde die höchste wissenschaftliche Körperschaft Deutschlands, die Akademie der Wissenschaften in Berlin, Sammelplatz und Organ dieser Aufklärung.“94) Zu diesen neu begründeten Gesellschaften gehörten auch einzelne Juden,95) die somit auch eine erfahrbare Einordnung in eine nichtjüdische Gruppe erhielten. Aber auch wer nicht durch eine ausweisbare( Verbindung mit diesen Gesellschaften zu den Aufgeklärten zählte, konnte sich auf Grund der Teilhabe an der Aufklärung zu der weiter gefaßten Gruppe der Aufklärungselite zählen. Diese Einordnung jüdischer Einzelner in eine nichtjüdische Gruppe muß als der eigentliche Beginn der Assimilation angesehen werden. Sie bedeutete eine für die vorassimilatorische Epoche unerhörte Neuerung und enthielt eine grundlegende Aenderung im Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden. Die Bildung der Aufklärung findet unter der Maske praktischer Schulung bei den Juden Eingang. Da das Erlernen der deutschen Schrift und der deutschen Sprache nicht verboten war, konnten diejenigen, die sich daraus einen Nutzen versprachen, 93) Weil, a. a. O. S. 149. 94) Dilthey, a. a. O. S. 134. 95) Kayserlimg, a. a. O. S. 70.