Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
- Belongs to
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20 Bedeutung als bisher, denn sie verbindet ihn mit einer außerjüdischen Gruppe und führt ihn gesellschaftlich in sie ein. Wir sahen schon oben, daß auch in der vorassimilatorischen Epoche Einzelne die Bildung ihrer Zeit beherrschten. Doch hatte damals diese Bildung noch keine gesellschaftsbildende Funktion. ״In ihrem Berufe“, heißt es von den jüdischen Aerzten dieser י Zeit bei Eschelbacher, ״wie in ihrem gesellschaftlichen Verkehr, lebten sie zumeist in jüdischen Kreisen. Ihre Schriften waren, — abgesehen von ihren lateinisch abgefaßten Dissertationen — hebräisch oder jüdisch-deutsch geschrieben.Durch diese * Schriften kamen ein guter Teil des wissenschaftlichen Besitztums jener Zeit, wie auch manche neu gewonnenen Entdeckungen zur Kenntnis jüdischer Kreise und weckten in denen, die dafür Sinn hatten, das Verständnis, wie das weitere Interesse für diese Disziplinen.“ 91) Die Rolle der Gebildeten beschränkte sich auf die Vermittlung des außerjüdischen Wissens an jüdische Kreise. Die Aufnahme des außerjüdischen Wissens durch die jüdische Geistesweit, in die es so eingedrungen war, bedeutete für sie keine Sprengung ihres gesellschaftlichen Rahmens, denn Wissen und Bildung hatten keine gesellschaftsbildende Funktion. Es gab in der nichtjüdischen Welt keine ״Schicht der Gebildeten“, zu der man sich allein durch die Aufnahme ihrer Bildung hätte zählen können. Erst mit dem Aufkommen einer Geisteselite in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfährt die ״Bildung“ ihre gesellschaftssprengende und gesellschaftsbildende Funktion. Schon Dilthey hatte diese neu gewonnene Rolle der Aufklärungsgeistigkeit beschrieben. ״Dieses neue Ideal (der Aufklärung) schuf, wohin es drang, eine Verbindung der freien Geister untereinander; es gab jetzt eine Stelle, an der die äußeren Unterschiede der ständischen Gliederung aufgehoben waren.“ 92) Wir haben auf Grund der WeiPschen Untersuchungen feststellen können, daß diese gesellschaftliche Verbindung auf Grund des ״neuen Ideals“ wichtige Veränderungen in der deutschen Gesellschaft zur Voraussetzung hatte. In unserem Zusammenhänge sind aber % nicht die Gründe für die Entstehung der neuen gesellschaftlichen Verbindung von Wichtigkeit, sondern ihre Folgen auf die Stelhing der jüdischen ״Gebildeten“. Die Folgen müssen darin gesehen werden, daß von nun ab die Gebildeten unter den Juden > 91) Eschelbacher, a. a. O. S. 169 f. 92) Djlthey: ״Erlebnis und Dichtung“. S. 134,