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Nahalat tsevi · 1935-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1935) · p. Seite 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 18 (sequence 20)
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neue Wertung des Menschen entgegen, die die Unterscheidung der Menschen nach ihrer Herkunft nicht mehr kennt. Es liegt hier ein Sonderfall der ״Ausbeutung des Vernunft־ und Naturrechts“ durch den Mittelstand vor, von dem oben in dem angeführten Satz von Meinecke die Rede war. Denn der Mittelstand, zumal seine im Aufstieg befindliche Schicht, die zur Geisteselite strebte, nahm die Lehre von der Gleichheit der Menschen auf, die allein sie zur Uebernahme von Stellungen berechtigte, die bisher ausschließlich dem Adel Vorbehalten waren. Dohm selber ist ein Schulbeispiel für aufsteigende Bürger ״unter der Decke des herrschenden Absolutismus“. Er, der Predigersohn aus Lemgo, ist bei der Abfassung seiner Schrift ״Uber die bürgerliche Verbesserung der Juden“ Kriegsrat im Dienste Friedrichs des Großen, ein Amt, das er sich allein durch seine publizistisehe Tätigkeit erworben hatte.88) — Aber auch die vereinzelten Mitglieder des Adels, die zur Geisteselite strebten, waren für die Anerkennung der Gleichheitslehre des Naturrechts gestimmt. Denn mit ihrem Heraustreten aus der ständischen Gliederung verzichteten sie auf die durch ihre Herkunft gegebene Legitimierung ihres Standes und erstrebten eine andere gesellschaftliche Rechtfertigung, die durch die ״Anteilhabe“ am Geiste der Elite zu erwerben war. Für die Geisteselite der Aufklärung war eine besondere Behandlung der Juden als solcher nicht möglich. Denn jede Ein- Schränkung der Lehre von der Gleichheit der Menschen hätte ihre unbedingte Geltung durchbrochen und sie ihrer Durchschlagskraft beraubt. Daher gelten die Juden nur noch als ein Fall der ständischen Gliederung, aus der sie — bei Dohm — durch die ausgleichende Wirkung eines allen gemeinsamen Staatsbewußtseins herausgehoben werden sollen, und aus der sie, bezw. Einzelne unter ihnen, in der Wirklichkeit durch die Zugehörigkeit zur Geisteselite schon herausgehoben waren. Fragt man nun umgekehrt nach einer möglichen Zuwendung der Juden oder des Judentums zur Aufklärungselite, so wird man hier, aus den im ersten Kapitel angegebenen Gründen, von einer inhaltlichen Vergleichung des Judentums als Religion und Lehre mit den Lehren und Glaubensinhalten der Aufklärung absehen dürfen. Wohl aber läßt sich eine formalsoziologische Aehnlichkeit des vorassimilatorischen Judentums mit der Aufklärungs- 88) Allgemeine deutsche Biographie, unter Dohm,

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