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Nahalat tsevi · 1935-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1935) · p. Seite 16

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 16 (sequence 18)
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16 fehlte es in der Tat nicht. Ein christlicher Prediger namens Schwager, der durch die von Christian Wilhelm Dohm geschriebene Schrift über die bürgerliche Verbesserung der Juden veranlaßt, über die ״Judenfrage“ schrieb, hatte in diesem Sinne gefolgert. Er sprach von dem orientalischen Temperament der Juden, das eine Vereinigung mit ihnen ״unter unserem nördliehen Himmelsstriche“ nicht möglich macht.82) ״Der Jude zeigt durch seine Haare und Gesichtsbildung, wie weit er von uns absteht (über uns öder unter uns? ist hier die Frage nicht) und ebenso verschieden ist auch sein Geist von dem unserigen.“83) Daß damals solche Aeußerungen ohne Folgen geblieben sind und daher eine rassenmäßige Trennung zwischen Juden und Nichtjuden nicht durchdrang, liegt an dem Ueberwiegen des Glaubens an die substantielle Gleichheit aller Menschen. Dohm, der Anreger der damaligen Polemik, schrieb in seiner Erwiderungsschrift: ״Sonderbar genug, habe ich aber auch Gegner gefunden, welche jenen Grundsatz von der allgemein gleichen Beschaffenheit der menschliehen Natur nicht anerkennen, .... mit diesen Gegnern kann ich nicht streiten. Unsere Prinzipia sind einander so gerade ent■־ gegen, daß unsere Resultate sich nie nähern können.“84) Dohm meint, daß es sich in dieser Frage weniger um beweisbare Be־ hauptungen handelt, als um letzte, wir würden sagen, weltanschauliche Entscheidungen. Daß aber Dohm ״sonderbar“ findet, daß es auch Leute gibt, die sich hierin anders entscheiden, be־ weist, wie sehr er seine eigene Meinung als die Meinung seiner Zeit ansieht. In der Tat vertreten die meisten, die sich damals anläßlich seiner Schrift zu der Frage äußerten, die Ansicht von ״der allgemein gleichen Beschaffenheit der menschlichen Natur“ als eine Selbstverständlichkeit.85) Die entgegengesetzte, nur von ■wenigen vertretene Ansicht wurde in diesem Kreise als jenseits aller Erörterung stehend, als überholt empfunden. Wir wissen, daß die These der ״ursprünglichen Gleichheit aller Menschen“ von dem Naturrecht gelehrt und von der Aufklä־ 82) .Schwagers Bemerkungen sind abgedruckt im zweiten! Teil der Dohm’sehen Schrift, Seite 99. 83) Ebenda, S. 100. 84) Ebenda׳, S. 21—22. 85) Eine rein sachliche Zusammenstellung dler Aeußerungen in dieser Polemik enthält die Dissertation von Franz Reuiß: ״Chr. W. Dohms Schrift ״Ueber die Bürgerl. Verb. d. Juden" und deren Einwirkung auf die gebildeten Stände Deutschlands", Leipziger Dissertation, 1891,

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