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Nahalat tsevi · 1935-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1935) · p. Seite 15

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
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15 hingewiesen werden. Es soll nun — um auf unseren Gegenstand zurückzukommen — die Frage wieder auf genommen werden, welche Umstände historischer, gesellschaftlicher, kultureller Natur diese Geisteselite bestimmt haben, die Assimilation der Juden zu begünstigen. Denn wenn auch Geisteselite nicht mit dem Mittelstand, an den die Assimilation im Laufe der weiteren Ent״ wicklung erfolgt ist, gleichzusetzen ist, so steht es doch fest, daß die erste assimilatorische Berührung der Juden mit dieser Gruppe, im besonderen mit der Aufklärungselite, vor sich gegangen i9t und ferner, wie das noch zu zeigen sein wird, daß diejenigen, die zuerst für die Assimilation geworben haben, zu dieser Gruppe gehörten. Die Antwort auf die gestellte Frage ergibt sich aus dem, was wir über die Zusammensetzung und das Konstituierungsprinzip der Geisteselite sagten. Allein die Tatsache, daß sie aus den Vereinzelten verschiedener Gruppen, die bisher von einander getrennt waren — man denke an die Bestrebung Friedrichs des Großen, die einzelnen Stände von einander femzuhalten — zustande kam, mußte die Aufnahme der Glieder einer, wenn auch anerkanntermaßen völlig verschiedenen Gruppe, begünstigen. Dazu kam, daß die einzelnen Glieder der Geisteselite durch ihr ״Ausscheiden“ aus ihrer ursprünglichen Gruppe, also dem Bürgertum oder der Aristokratie, mit einer ständischen Ueberlieferung brechen mußten,81) und im Falle der Zugehörigkeit zum Großbürgertum eine solche Ueberlieferung überhaupt nicht besaßen. Da eine Gesellschaft hier sozusagen von ״Anfang an beginnen“ wollte, konnte sie in Bezug auf ihre Auswahl der Zulässigen weitherzig sein. Dann aber, und das ist das Wichtigste, duldete der Grundsatz, wonach die Ausweisung der Zugehörigkeit erfolgte, nämlich das Beteiligtsein an einem bestimmten Geiste, keine Einschränkung nach anderen Gesichtspunkten. War der Jude ״aufgeklärt“, so war es nicht einzusehen, warum er nicht ebenso wie jeder andere zu der Elite der Aufgeklärten gezählt werden konnte, da doch auch sonst auf den Nachweis anderer Eigenschaften verzichtet wurde. Theoretisch wäre es allerdings denkbar, daß zu dem sich am Geiste ausrichtenden Grundsatz der Auswahl noch ein anderer hinzugetreten wäre, welcher die Juden aus der Zugehörigkeit zur Geisteselite hätte ausschließen können. An solchen Anregungen 81) Weil, a. a. O. S. 227, 242.

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