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Nahalat tsevi · 1935-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1935) · p. Seite 12

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
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li nähme der Judenassimilation ״prädestinierten“. Denn, nm das vorwegzunehmen, zu jeder Assimilation gehören zwei: diejenigen, die sich assimilieren wollen, und die anderen, die die Assimiiation, d. h. die Angleichung an sie, begünstigen, oder wenigstens sich gefallen lassen. Es muß nach den Gründen gefragt werden, die die Geisteselite zu einer die Assimilation begünstigenden Verhaltungsweise bestimmten. Unter Geisteselite wollen wir hier im Sinne Weil» jene Gruppe von Menschen verstehen, die sich im Laufe der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus dem ständischen staatlichen Gefüge lösten und einer neuen gesellschaftlichen Ordnung zustrebten, einer gesellschaftlichen Ordnung, deren konstituierendes Prinzip als ein Beteiligtsein am ״Geiste“, an der ״Kultur“ angesetzt wurde. Es sind drei Bevölkerungsgruppen, die Weil74) unterscheidet: einzelne Adelige, aufsteigende Schichten des Bürgertums und privatißierte Honoratioren. Die Gründe der Loslösung dieser Gruppen aus dem überkommenen Gesellschaftsgefüge werden bei Weil ausführlich beschrieben. Für die Aristokratie liegt der Grund in dem ״Sinken ihres Funktionswertes“, das sich durch den langsamen Uebergang vom reinen Feudalzum werdenden Beamten- Staat ergab.75) Diese Wandlung des staatlichen Aufbaus, die den Adel vielfach um seine Stellung brachte, veranlaßte Angehörige dieser Schicht zu mehr oder weniger ״bürgerlichen Wissenschaftliehen, verwaltungsmäßigen oder merkantilen Berufen“ überzugehen.76) Diese berufliche Umschichtung hatte den Glauben an die alte, gottgewollte Ständeordnung geschwächt und Angehörige der Aristokratie für die Aufnahme neuer Gesellschaftstheorien empfänglich gemacht und ihnen gleichzeitig die Notwendigkeit nahe gelegt, eine neue theoretische Begründung der eigenen Stellung in der Gesellschaft vorzunehmen. Die bürgerlichen Gruppen werden durch die Umwandlung des wirtschaftlichen Gefüges zu einer Umstellung gezwungen, die derjenigen der aristokratischen Gruppen ähnlich ist. ״Mit der allmählichen Lösung des Handels und des Handwerks aus den überkommenen Formen der Gilden und Zünfte, schwand die ״gemeinschaftliche“ Orientierung der einzelnen Berufs9tände zugunsten des ״wohlverstandenen Interesses“ jedes Einzelnen.“ 77) 74) Weil, S. 199.; , 75) Ebenda, S. 199. 76) Weil, S. XIV. 77) Weil, S. 34 ff. , ־ '

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