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Nahalat tsevi · 1935-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1935) · p. Seite 11

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
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■ ii dem an eine bestimmte Schicht desselben, an den neu entstandenen Mittelstand.70) Doch geht es nicht an, diesen Mittelstand, an den die Assimilation erfolgte, sich als ein nach ״oben“ etwa gegenüber der Aristokratie und nach ״unten“ gegenüber dem Proletariat abgegrenztes Bürgertum vorzustellen. ״Für das ״Bürgertum“, sagt Hans Weil, ״fehlt in jener Zeit ein .... immanentes Attribut. Eine direkte definitorische Aussage über ״die“ geistige oder soziale Tendenz ״des Bürgers“ oder gar des ״Bürgertums“ in Deutschland am Ende des 18. Jahrhunderts würde in dieser Allgemeinheit behauptet, zu einer dem historischen Sachverhalt nicht entsprechenden soziologischen oder geschichtsphilosophischenKonstruktion führen.“ 71) Auch steht es fest, daß die Berliner Juden, die zuerst eine assimilatorische Schicht hervorbrachten, zu den eigentlichen ״Bürgerlichen“, also den ortsansässigen, gewerbe- und handeltreibenden Christen, auch zu dieser Zeit keine gesellschaftlichen Beziehungen unterhielten.72) Will man daher über die Schilderung von Einzelfällen, in denen Juden und Nichtjuden einander auf eine ״neue Weise“ begegneten, hinausgehen und über die Gruppe der Menschen, an der sich die Assimilation vollzog, begriffsbestimmende Aussagen machen, so muß eine andere soziologische Kategorie gefunden werden, die wenigstens annähernd all diejenigen erfaßt, die zu dieser Gruppe gehören. Als eine solche Kategorie können wir die Gruppe der Geisteselite ansehen, deren Vorhandensein für diese Zeit Hans Weil nachgewiesen, erforscht und beschrieben hat.73) Wir müssen uns nun über die gesellschaftliche Zusammensetzung und gesellschaftliche Funktion dieser Geisteselite klar werden, um die für uns wichtige Frage beantworten zu können, welche soziale, kulturelle und historische Umstände die Geisteselite zur Entgegen- 70) Die Historiker haben, soviel ich sehe, dien Zusammenhang zwisehen der Entstehung des Mittelstandes und der Assimilation bzw. Emanzipation •der Juden übersehen. Richtig gesehen1 hat ihn der jüdische Publizist Gabriel Rieß!er, der 1831 die Lage der Juden in Rußland mit dem Mangel ״an einem freien Mittelstand, auf den die Emanzipation nothwendig gerichtet sein muß“, begründet. Gesammelte Schriften, Bd. II. S. 66. (1867). 71) Hans Weil, a. a. O. S. 236. 72) Eine solche Beziehung beginnt erst im Anfang des 19. Jahrhuinderts, siehe H. Landsberg: ״Henriette Herz, ihr Leben und ihre Zeit“ 1913, S. 33. 73) Weil, a, a. O. Kap. V.

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