Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 11-12 (August 1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 330 (sequence 40)
- Belongs to
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330 Ginge der Kampf auch heute nur um die Seelen der Einzeh menschen, so bedürfte es des Agudismus nicht״, so möchte es, nach Väterweise, genügen, Thora und Gottesfurcht allenthalben zu verbreiten. Aber der Kampf geht heute ums Volk. Baut der Agudismus das Volk der Thora nicht auf, so findet der Zionismus überhaupt keinen Gegner auf dem Plan. Weil der Agudismus nicht die Menschen, sondern das Volk denkt, steht ihm das Land der Thora so nahe, wie das Volk der Thora, stehen ihm unter den Menschen diejenigen am nächsten, die vor allen anderen dazu berufen und bestimmt sind, das Volk der Thora für das Land der Thora als lebendigen Organismus hinzustellen: die agudistischen Arbeiter. Letzteres aber bedarf der näheren Begründung. IV. Es ist nicht leicht, die gesellschaftliche Erscheinung des Arbeiters als solchen zu definieren. Bei den europäischen Völkern ist sie geschichtlich auf dem Wege eines allmählich wirkenden Verdrängungsprozesses entstanden. Starke Bevölkerungszunahme und die Industrialisierung der Produktionsmethoden haben Kleinbauern und Handwerker auf die Straße geworfen und von dort in die Fabriken getrieben. Von allen Mitteln eigener Produktion entblößt, brachten sie in die Fabriken nichts, als ihre gelernten oder ungelernten Hände. Sie sind es, die als Arbeiter im engeren Sinne des Wortes anzusprechen sind. Von dem Handwerker selbst kleinsten Formates unterscheiden sie sich durch ihre völlige wirtschaftliche Unselbständigkeit; von dem kaufmännisch Angestellten durch das völlige Fehlen jedes individuellen und auf Dauer berechneten Vertragsverhältnisses. Sie sind im allgemeinen Gattungswäre auf dem Arbeitsmarkt. Nicht als Persönlichkeit, sondern als jederzeit auswechselbare Arbeitskraft bieten sie sich an, und ohne das Dazwischentreten regulierender Momente bestimmt sich der Wert ihrer Arbeitskraft nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. In der thoratreuen Judenheit Deutschlands gehörte bis vor kurzem die gesellschaftliche Erscheinung des Arbeiters zu den seltenen Ausnahmen. Regelmäßig!ährte bis vor kurzem der Lebensweg des thoratreuen deutschen Juden zu den kaufmännischen oder akademischen Berufen. Anders in den Ländern jüdischer Massensiedelungen; anders namentlich in Polen. Dort hat auch unter den Juden schon seit Jahrzehnten ein Verdrängungsprozeß eingesetzt, der viele von ihnen