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Nahalat tsevi · 1935-08-01 · Heft 11-12 (August 1935) · p. Seite 328

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
V (5695) 1934/35
Issue
Heft 11-12 (August 1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 328 (sequence 38)
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II. 328 Für ein Organ des thoratreuen jüdischen Volkes oder für eine thoratreue Weltorganisation mag Erez Jissroel Gegenstand einer der vielen Pflichten sein, die das Gesetz uns auferlegt. Darin ist ganz gewiß keine Herabsetzung der Bedeutung von Erez Jissroel zu erblicken. Eine von Gott gebotene Pflicht, wenn auch nur eine von vielen, darf den höchsten Ernst und die höchste Hingebung für sich in Anspruch nehmen. Aber dem Agudismus, der das Volk der Thora als lebendigen Organismus denkt, ist freilich Erez Jissroel zwar nicht mehr, als Pflicht, jedoch noch etwas anderes, als Pflicht. Die Beziehung des Agudismus zu Erez Jissroel entspricht ganz der Beziehung des lebendigen Volkes der Thora zu Erez Jissroel. Diese Beziehung aber ist nicht nur eine halachische, sondern auch eine geschichtliche. Das Volk der Thora als Organismus dürstet nach Erez Jissroel, wie der Hirsch nach dem Wasserquell. Erez Jissroel ist sein geschichtlicher Raum, ohne den sein Organismus krank ist und die Freude des Daseins nicht genießen kann. Solange sein Organismus seine Wurzeln nicht in Erez Jissroel senken, und solange über die Pracht seiner aus Erez Jissroel erblühten Baumkrone nicht die Herrlichkeit seines Gott-Königs aufstrahlen kann, fühlt sich das Volk der Thora, durch den Agudismus zu irdisch bewußtem Leben erweckt, jammervoll verstümmelt. Die agudistische Sehnsucht nach Erez Jissroel ist die geschichtliche Sehnsucht eines sich krank wissenden Volkes nach Genesung, eiues sich verstümmelt wissenden Volkes nach gesunden Gliedern. Geschichtlich ist diese Sehnsucht, weil sie nicht individuell, sondern national, weil sie nicht passiv, sondern aktiv ist, weil sie das Zeitgeschehen immer wieder abtastet, um es am Maßstab ihres Zieles zu werten, weil sie das Zeitgeschehen der Gegenwart mit stürmisch klopfendem Herzen verfolgt — vielleicht doch! — vielleicht doch! —, und weil sie aus diesem ״vielleicht doch“ den Zwang zur Mobilisierung ihres ganzen Könnens herleitet, um dem werdenden Erez Jissroel die Wendung zur Thora zu geben. Dem geschichtlich gewordenen Agudismus gilt solchermaßen in der Tat Erez Jissroel als das oberste der Gegenwarts- Probleme, und die Aktivität, die das Volk der Thora für das werdende Erez Jissroel aufbringt, ist ihm geradezu ein Gradmesser, an dem er ablesen kann, welcher Erfolg seinem »Streben, das Volk der Thora in einen irdisch-lebendigen Organismus umzuwandeln, bisher beschieden war.

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