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Nahalat tsevi · 1935-08-01 · Heft 11-12 (August 1935) · p. Seite 321

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
V (5695) 1934/35
Issue
Heft 11-12 (August 1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 321 (sequence 31)
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Rabbineramt. Dies setzte ein emsiges Studium des Talmud und seiner Kommentare voraus, ein Studium, das im übrigen nicht nur von den Anwärtern des Rabbineramtes, sondern von sämtliehen Gemeindemitgliedern betrieben wurde. Die hohe Würde des Rabbiners kam nicht zuletzt auch daher, daß er durch seine Vorträge und Disputationen wie auch in den meisten Fällen durch die Leitung einer Talmudschule als der oberste Träger der geltenden und gesellschaftsbildenden Geistigkeit galt. Die Rabbinerlauf bahn führte zu der denkbar höchsten Würde, die nicht nur einen sakralen, sondern auch gesellschaftlichen Charakter trug. Daß ein Jude sich nach außen gesellschaftliche Geltung verschaffen wollte, imd dabei doch ein Jude blieb, war eine Seltenheit. Eigentlich haben wir nur ein Beispiel dafür, den berühmt gewordenen Jud Süß Oppenheimer. Jud Süß ist im letzten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts geboren. Er wurde zum Hoffaktor und später zum Geheimen Finanzrat des Herzogs Karl Alexander von Württemberg bestellt. Er versuchte, seinem Herzog bei der Umgestaltung des ständischen Staates in einen absolutistischen behilflich zu sein. Nach dem Tode Karl Alexanders im Jahre 1738 wurde er wegen Hoch- Verrats und Falschmünzerei angeklagt, verurteilt und hingerichtet. Man versuchte, diese Gestalt als einen Vorläufer der Assimilation als ״den ersten tragischen Erleider des deutsch-jüdischen Konflikts“ zu charakterisieren.56) Seine Tragik läge darin, daß er in einer Zeit gelebt habe, ״in der eine Synthese von Judentum und Zeitgeist noch nicht möglich war“.57) Denn das Judentum habe mit der Kultur des Barock keine Gemeinsamkeiten, wohl aber mit der der Aufklärung. Wir glauben, daß gerade an der Gestalt des Jud Süß sich klar erweist, daß das Einsetzen der Assimilation in erster Reihe nicht von den mehr oder weniger verwandten Zügen des Judentums mit der Kultur der Umgebung abhängt. Jud Süß hatte die Assimilation, soweit sie die Loslösung von den Lebensformen des Judentums betraf, an sich selbst vollzogen. Was ihm vom Judentum zurückblieb, war nicht mehr als eine gefühlsmäßige Bindung, ״ein Judentum der Stimmung“‘. Spätere Generationen haben trotz ähnlicher Bindungen an das Judentum den Weg in die völlige Assimilation gefunden. Daß Jud Süß dies nicht gelang, lag daran, daß er keine Gesellschaftsschicht vorfand, an die er 56) S. Stern: ״Jud! Süß“, S. 139. 57) Ebeu!d!a, S. 140.

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