Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 11-12 (August 1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 313 (sequence 23)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2551369-2551405-2551411--1997-2553517- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
315 Vor allem sollte man dem historisch gebildeteren Leser die Marcussche Chronologie angelegentlichst als eine Arbeit empfehlen, aus der man erfährt, welche Methoden bei den Gegnern biblischer Tradition schon immer beliebt waren; vgl. die Nichtpublikation der Israel-Stele durch Lepsius. — In der neuesten Zeit machen ja jene Methoden wieder genug von sich reden, und ein Blick in die Sudelküche jener, die den Aufenthalt Israels in Ägypten überhaupt leugnen, — noch jetzt ohne Rücksicht auf neuere historische Funde leugnen, —• tut gerade jetzt so wohl wie noch nie zuvor. Das Buch erscheint zur rechten Zeit, einem Geschlechte, das nach solcher Lektüre lechzt und dem Verfasser dankbar ist — Zur füdisdien Chronologie. Von Dr. Ph. Biberfeld. Im Heft 9/10 des Nach’lath Z’wi gibt Herr Dr. Kahan eine Kritik der ״Jüdischen Chronologie“ von Ahron Marcus. Er gelangt darin zu einer Ablehnung der Hauptthese des Werkes, daß es sich bei den 480 Jahren zwischen Auszug aus Ägypten und Salomonischem Tempelbau um eine symbolische, auf Grund von ägyptischen Chroniken errechnete Zahl handle. Zur Begründüng hebt er hervor, daß eine derartige Annahme gegenüber einem vermittels רוח הקדש geschriebenen Buche nicht am Platze sei und damit jeglicher Willkür in Behandlung des Thnach Tür und Tor geöffnet wäre. Er selbst will die Zahl 480 wörtlich aufrecht erhalten und setzt demzufolge das Datum des Auszuges auf das Jahr 1466 v. d. nbl. Zeitr. Damit steht er jedoch 1m offenbaren Widerspruch zu den gesamten in der Thora über die Geburtsjahre der Patriarchen überlieferten Daten. Beispielsweise fällt der Tod Jakobs in das Jahr 1505 v., womit ein Auszugsdatum von 1466 v. schlechterdings nicht vereinbar ist. Gerade das aber ist der Hauptgrund, welcher Ahron Marcus zu der Umdeutung der Zahl 480 im Anschluß an die Ausführungen von Lepsius veranlaßt hat. (S. 15 ff.) Im Falle eines Widerspruchs zwischen Thora und Propheten oder Hagiographen, so führt er aus (S. 16), gibt es weder Wahl noch Gleichberechtigung. Hiermit hätte Herr Dr. K. sich auseinandersetzen müssen, wenn er der Ansicht ist, daß sieh die Zahl 480 ״ohne weiteres“ aufrecht erhalten lasse. Zuzugeben ist Herrn Dr. K. allerdings, daß es für uns völlig unannehmbar ist, daß die Zahl 480 mangels direkter eigener Quelien ägyptischen Chroniken entnommen sei. Das ist mit unserer Auffassung über die heiligen Schriften und die Tradition nicht in Übereinstimmung zu bringen. Tatsächlich besteht indessen absolut keine Notwendigkeit für eine solche Annahme, da die Thora selbst uns einen denkbar einfachen Weg zum Verständnis der Zahl 480 weist. Die Geschichte des Aufenthalts in Ägypten enthält nämlich eine scharfe Zäsur, mit welcher eine neue Geschichtsepoche einsetzt. Das ist der Tod Josephs. Mit diesem endet die Vorgeschichte des jüdischen Volkes, die Patriarchengeschichte, und beginnt die eigentliche Volksgeschichte. Dementsprechend teilt z. B. Ahron Marcus selbst (S. 12) die Epochen der jüdischen Chronologie wie folgt ein: 1) Prähistorische Epoche bis zur Sintflut, 2) Von der Sintflut bis zum Tode Josephs, 3) Vom Tode