Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 11-12 (August 1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 310 (sequence 20)
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310 dizee, die ihm in grenzenloser Kühnheit zum Leitmotiv seines eigenen Handelns und zugleich zu seiner eigenen —Rechtfertigung wurde. Eine ungemein starke Vorstellung von der ihm innewohnenden Kraft und des ihm innewohnenden Wertes, gefördert von einer Generation, die Lob und Anerkennung zuweilen im Uebermaß und ins Angesicht spendet, kam hinzu. In seinen guten Jahren mag er sich wohl zugetraut haben, über Agudah und Misrachi, über Histadruth und Revisionismus schwebend, mit der ganzen Wucht seiner dem Leben und seiner Vielfalt völlig erschlossenen und dennoch mit der Thora unlösbar verknüpften Persönlichkeit den gellenden Mißklang der Stimmen in eine Symphonie zu wandeln, jeden an seine richtige Stelle zu bringen und solchermaßen, dem Lenker der Geschichte nacheifernd, selbst die Lüge der Thorauntreue in den Dienst der endlich durchgreifenden Thorawahrheit zu stellen. Am Schlüsse seines Lebens nagte bereits, so schien es mir, der Zweifel in ihm an seiner Berufung zu solch Gott gleichem Tun. Aber die Ueberzeugung vom messianischen Charakter des Erlebens unserer Tage und das Bewußtsein der Reinheit seines Wollens mag ihn über die Schwäche des Menschentums getröstet haben. VI. Seine geschichtliche Einstellung mag die Agudah getrost übernehmen. Auch Rabbi Chajim Sonnenfeld זצ״ל hat sie, wie ich in unvergeßbaren Unterhaltungen feststellen konnte, durchaus geteilt. Aber die Grenze zwischen dem Lenker der Geschichte und uns Gelenkten dürfen wir nicht verwischen. Diesem Irrtum ist Rabbiner Kook zum Opfer gefallen. Wie anders hätte wohl die Ernte seines Lebens ausgesehen, hätte er seinen Platz neben — Rabbi Chajim Sonnenfeld genommen und hätten wir im werdenden Erez Jissrael ein verjüngtes Abbild des Bündnisses zwischen Moscheh und Aharon wirksam sehen dürfen. Moscheh allein ist in seiner Fern Wirkung gehemmt. Aharon allein muß scheitern. Was rief diesem Sohne Aharons ein ״Freier“ — Ussischkin — nach in der Trauerkundgebung des Kongresses? ״Heute“ — sagte er, — ״bauen wir den dritten Tempel. Wir sind jetzt in der Zeit des Bauens, und es gibt keine Scheidewand