Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 11-12 (August 1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 309 (sequence 19)
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309 Awiw? Hier fliegt ein Schatten über sein Gesicht: Das ist riehtig; leider. Ich: Sie hätten in Tel Awiw und nicht in Jeruscholajim sein sollen. Er: Auch darin ist etwas richtiges. Und dann, nach einer schweren Pause: Nein, mein Platz ist dennoch Jeruscholajim . . . So bin ich von ihm geschieden, begleitet von seinen Hoff־ nungen und Segenswünschen. Er war wirklich kein Agudist im üblichen Sinne des Wortes. V. Als ich ihn traf, war er bereits leidend. Noch spürte man den hinreißenden Schwung, den er in guten Jahren besessen ha־ ben muß. Bereits aber lag die leise Wehmut des Alters über ihm, das Rückblick hält und Ernte sehen möchte, das Bestätigung sucht und schließlich zu unaufgeforderter Selbstrechtfertigung greift. Er war im Grunde ein Einsamer. Wohl auch von seiner Umgebung selten ganz verstanden, zuweilen mißbraucht und manchesmal zu schwach, wohl auch zuletzt zu müde, um ihr entgegen zu treten. Ungeheuer impulsiv, drängten sich ihm zu־ weilen Worte auf die Lippen und Taten in die Hand, die eine große Gesamtinnenschau vielleicht erklärbar machen konnte, die als Teilstücke für sich jedoch ihn von den Besten des Landes isolieren mußten. Diese Gesamtinnenschau war das Beste und zugleich das Gefährlichste an ihm. Den Kelch der Geschichte hatte er, ein Sohn des statischen Galuth, aus eigener Kraft, ohne Basel und ohne Westeuropas Anstoß, in die Hand genommen, zum Munde geführt und bis zur Hefe geleert. Der Trank der Geschichte aber ist ein Rauschtrank. Phantasie war ihm wohl von Natur zu eigen, und sein Denken wohl stärker in der Synthese, als in der Analyse. So wurden ihm die Erlebnisse seiner Tage zu geschichtlich treibenden Faktoren, wurde ihm das verheißene Erez Jissroel zu einer bereits in der Gegenwart geschichtlich wirksamen Realität, in deren blendendem Glanz sich ihm die Grenzen zwischen Thoratreue und Thorauntreue insofern verwischten, als ihm auch die Thorauntreue, wenn sie sich in den geschichtlichen Prozeß einschob, vom Lenker der Geschichte dazu berufen schien, der einst siegenden Thora die Wege zu bereiten. Von der Geschichte durchglüht, erlebte er im Anblick des arreligiösen Zionismus, der antireligiösen Histadruth, beeinflußt von unserer esoterischen Ueberlieferung, eine grandiose Theo-