Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 11-12 (August 1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 306 (sequence 16)
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aber die Kraft nicht besitzen, in sich selbst diese Einheit wirklieh lebendig werden zu lassen, war bei ihm nicht vorhanden, Sein Nationalismus stammte eben nicht von — Basel, sondern von — Litauen. Offen hat er mir erklärt, daß er mit dem Misrachi höchst unzufrieden, daß ihm der Misrachi viel zu schwach sei. Im Gegensatz zur Haltung des Misrachi bekannte er sich mir unumwunden, trotz selbstverständlicher Bejahung der Awodah Iwrith, zur Notwendigkeit der Heranziehung nichtjüdischer Arbeitskräfte mit Rücksicht auf den Sabbath. Die Thora privilegiere den Ger, indem sie es uns zur Pflicht mache, ihm Newelah ohne Entschädigung zu überlassen. Warum wohl? Weil eben die Thora wisse, daß ihr System ihn nicht entbehren könne. Die Histadruth freilich gehe leschitatha: sie ziehe es leider vor, Newelah selber zu essen . . . Und er sah mich mit einem guten und zugleich schmerzlichen Lächeln an. Nein, er war wirklich kein Misrachist im üblichen Sinne des Wortes. Er zog es vor, zu mir Hebräisch in der ihm angestammten Aussprache zu sprechen, als er mir bei unserem ersten Zusammentreffen Thoraworte deutete, die seine Haitung rechtfertigen sollten. — IV. Er selber präsentierte sich mir als — Agudist. Aber sicherlieh wohl auch nicht im üblichen Sinne des Wortes. Bei meinen ersten Versuchen, den Agudismus in Erez Israel durchgreifend zu reorganisieren, bereitete mir die stark ins Persönliche zugespitzte Gegnerschaft, wie sie zwischen Kook imd dem Waad Hair Aschkenasi bestand, fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Ich beschloß, diese Gegnerschaft auf das sachlich gebotene Maß zurückzuführen, um auch denen die Mitarbeit in der agudistisehen Organisation zu ermöglichen, die bei aller Verwerfung des Kookschen Standpunktes ihm persönlich Ehrerbietung zollten. Zu diesem Zweck führte ich eine erste Aussprache mit ihm herbei. Ich begann mit der Bemerkung, ich sei ins Land gekommen, um den Rahmen der agudistischen Organisation zu erweitern. Darauf begann er sofort mit äußerster Umständlichkeit, von den ersten Anfängen der Balfour-Deklaration zu erzählen. Ein leidenschaftlicher Sprecher, keineswegs gewillt, irgend einen Einfall, der ihm beim Sprechen kommt, abzuwehren, auch wenn er noch so sehr ablenkt. Und Einfall über Einfall, Anekdote, Thorawort, Bonmot, drängt sich ihm auf, ohne daß an Wechselrede gedacht werden kann. Als er geendet hat, sage ich ihm, ich