Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 11-12 (August 1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 299 (sequence 9)
- Belongs to
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mittelbare Beziehungen zu seinem Schöpfer und Erwecker zu bieten in der Lage war. Die Erde und ihre Bewohner, vom Tier bis zum Menschen, wurde ihm ans Herz gelegt, Hausesgründung und Familienglück ihm befohlen und verheißen. Damit erhielt die Kulturgeschichte ihre göttliche Sanktion als der Rahmen, in dem die Endlichkeit ihren Weg zur Unendlichkeit vollzieht, in dem Wechsel zwischen dem, was man von der Gesamtheit erwartet und dem, was man ihr gibt. Ira Hintergründe dieser Gegenseitigkeit erwachsen Pflichten der Gesamtheit gegen ihre Glieder. Es mag sicher nicht ohne Reiz und Anregung sein, wenn man in der Zeit der Sühne, die ja letzten Endes eine Zeit der Verjüngung ist, bei der ״Seelenvertiefung״ sich ganz als Glied der Gesamtheit begreift und Erfüllung oder Vernachlässigung dieser Pflichtenreihe betrachtet. Das viel gebrauchte Wort Klallarbeit könnte hierbei Wegweiser sein. Es ist eigentlich nicht Arbeit für den Klall, sondern Arbeit des Klall für den Einzelnen. Doch mit 80 allgemeinen Begriffen dürfte einer wirklichen Teschuwah schwerlich die Bahn geebnet sein; diese erheischt vielmehr konkrete Forderungen. Nun gibt es aber in der Welt der 613״ Gebote“ einige, die unmittelbar als Pflichten der Gesamtheit in Erscheinung treten. Träger all dieser Mizwoth sind die Vertreter der Gesamtheit, ihnen ist Erfüllung überantwortet. Sie handeln im Aufträge der Gesamtheit. Hier aber setzen die Wirkungen des Galuthlebens in voller Wucht ein. Es ist schlechterdings nicht möglich für die jüdische Gesamtheit, sich eine solche, der Religionsnorm entsprechende Vertretung zu geben. Weder der Hohepriester, noch das Svnhedrion, noch seit Davids Thronbesteigung das Königtum, ging aus freier Wahl hervor. Denn sowohl dieses, als auch ira großen und ganzen das Hohepriestertum war erblich im Mannesstamm, das Synhedrion aber ergänzte sich durch eine Art von Cooptation. Es würde zu weit führen, hier auf den wissenschaftlichen Gegensatz zwischen R. Levi ibn Chabib s. A. und R. Jakob Berab s. A. einzugehen, fest steht, daß selbst ein legitim gewählter Weltkongreß der gesamten Judenheit ein solches Synhedrion nicht schaffen könnte. Es gibt also, wie die Verhältnisse nun einmal liegen, einen Träger der Gesaratheitspflichten nicht. Es ist einleuchtend, daß sich die Gola irgendwie einen Ersatz zu schaffen suchen mußte.