Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 11-12 (August 1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 297 (sequence 7)
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297 du, wo ist deine Heimat, und welchem Volke gehörst du an? —, da: erst griff sich der noch halb Schlaftrunkene an den Kopf, da erst fing er an zu begreifen, daß alle Versuche, aus dem ,Angesicht Gottes zu fliehen, vergeblich sind. Da: erwachte sein jüdischer Stolz in ihm, und laut jubelte er das Wort hinaus, das er so lange schämig in seiner Brust verschlossen hatte: עברי אנכי ein Hebräer bin ich! Bis zu diesem Pünkte können wir in der Geschichte des Propheten Jona unser eigenes Schicksal wiedererkennen. Nun aber, im weiteren Verlauf seiner Geschichte, tut Jona etwas, was für unseren Begriff so außerordentlich ist, daß wir Mühe haben, es nur zu verstehen, geschweige denn es uns selber zum Vorbild zu nehmen. Die Schiffsleute fragen den Propheten, was sie tun sollen, damit das Meer sich beruhige, und Jona antwortet ihnen; Hebt mich auf und werft mich ins Meer, so wird das Meer ruhig werden und euch nicht mehr bedrohen. יודע אני כי בשלי הסער הגדול הזה עליכם Denn ich weiß es, daß nur meinetwegen dieser große Sturm über euch gekommen ist. — Und so geschah es. Jona ward ins Meer geworfen, und das Meer hielt inne mit seinem Wüten. Gott aber sandte einen großen Fisch, daß er Jona verschlinge. — Und siehe da, im Innern dieses Meeres-Ungeheuers, von Licht und Luft, von Welt und Leben abgesperrt, kann Jona wieder beten. Solange er als freier Mann auf dem Schiffe sich befand, schlief er, während die anderen beteten. Erst in der Enge seines licht- und luftlosen Kerkers lernte er die Kunst des Betens wieder. So seltsam uns das alles anmutet, so viel können wir daraus lernen. Wir sollten das ehrliche Wort, das einst Jona sprach: ״Ich weiß es, daß nur meinetwegen dieser große Sturm über euch gekommen ist“, auch uns zum Vorbild nehmen, denn wenn auch nicht im wörtlichen Sinne, so ist es doch im Sinne jenes höheren geschichtlichen Pragmatismus, wie ihn das Judentum lehrt, eine ewige Wahrheit, denn das Verhalten des jüdischen Volkes zu Gott und Thora ist entscheidend für das Schicksal der Welt. Um das Bewußtsein dieser Verantwortlichkeit des jüdischen Volkes für das Schicksal der Welt immer von neuem in uns zu befestigen, dazu tritt von Jahr zu Jahr der Jomkippur in unseren Kreis. Das Erste und Wichtigste darum, was wir am Jomkippur zu tun haben, das ist die Bekämpfung jener Selbstzufriedenheit und Selbstgerechtigkeit, die uns verhindert, uns selber so zu