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Nahalat tsevi · 1935-08-01 · Heft 11-12 (August 1935) · p. Seite 296

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
V (5695) 1934/35
Issue
Heft 11-12 (August 1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 296 (sequence 6)
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296 war in den untersten Schiffsraum hinabgestiegen, er hatte sich niedergelegt und war in tiefsten Schlaf versunken. Ist dieses Verhalten Jonas beim Ausbruch des Sturmes nicht eine treffende Charakteristik jenes Mangels an innerer Bereitschaft, mit dem auch wir den Ausbruch des von Gott gesandten Weltsturmes erlebten? Unsere Fahrtgenossen flehten in ihrer Seelenangst ein jeder zu seinem Gott. Wir aber waren nicht gewohnt, zu beten, wir befanden uns ja auf der Flucht vor Gott, gatiz unvorbereitet traf uns der Zusammenbruch der europäischen Kultur, der jahrzehntelang für uns Inbegriff des Höchsten war, dem ja auch das Judentum sich zu beugen und anzugleichen hatte. In kopfloser Verzweiflung traf uns der Sturm und wir, die wir von Gott auserkoren waren, aufrecht zu stehen, wo andere niedersanken, zu glauben und zu hoffen, wo andere bloß jammerten und klagten, wir waren, als der Sturm hereinbrach, in den untersten Schiffsraum hinabgestiegen, hatten uns dort niedergelegt und waren in tiefsten Schlaf gesunken. Damals wäre es an der Zeit gewesen, den tragischen Irrtum unserer Flucht einzusehen und heimzukehren zu Gott. Doch still — es kam ganz anders. Als die Schiffsleute merkten, daß ihr Beten nichts half, daß der Sturm nicht aufhören wollte und die Gefahr des Unterganges immer bedrohlicher wurde, da fiel ihr Blick auf den Juden, der so gemütlich, so ahnungslos in seiner Schiffskajüte schlief, da stürzten sie auf den Schlafenden hin, weckten ihn und riefen ihm zu: Wer bist du? Woher kommst du? Wo ist eine Heimat, und welchem Volke gehörst du an? Jona weiß jetzt, woran er ist, und antwortet: עברי אנכי ואת ד אלקי השמים אני ירא אשר עשה את הים ואת היבשה ״Ein Hebräer bin ich, und Gott, den Gott des Himmels fürchte ich, der das Meer geschaffen hat und auch das Festland/‘ Bedarf es der vielen Worte, um es darzulegen, wie auch diese Szene ein Gleichnis unseres eigenen Schicksals ist? Aus sich selbst heraus wäre Jona niemals zum Bewußtsein seiner selbst erwacht. War er doch im Begriff, diesen ganzen von Gott gesandten Sturm in aller Ruhe zu verschlafen. Erst als seine Fahrtgenossen, in deren Gesellschaft er sich auf seiner Flucht vor Gott so wohl gefühlt hatte, ihn unsanft aus seinem Schlafe aufrüttelten, als er merkte, daß sie ihm Schuld aufzubürden suchten und daibei zugleich an eine gründliche Erörterung der Judenfrage herantraten — wer bist du und woher kommst

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