Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 264 (sequence 38)
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264 heimnisvoll wie beharrlich. Dem gottfuchenden Drange erliegend werden Menfchen, werden Völker immer wieder von leidenfchaftliehen Anläufen zu feelifchem Kulturfortfehritt hochgeriffen und irgendwie vorwärtsgetrieben, beunruhigt und irgendwie - befriedigt. Das wartende Gottesreich iß eben keine tote Fiktion, fondern lebendige Dynamik, iß (auch wo und wann man fich feiner nicht bewußt wird) die fiegesgewiffe, unwiderßehliehe Wirkkraft der Gefehiehte. Jedenfalls grenzen die beiden Kulturbereiche ganz gewiß nicht mit ifolierten Flächen aneinander. Dennoch iß der Kontakt gegenfeitiger Beeinfluffung noch weit entfernt von der Heilung des Bruches, und diefe kann der heilenden Zukunß nicht vorweggenommen werden. Danach beflimmt fich nun unter Hauptanteil an der Kultivierung der Welt und des Menfchen. Er iß fo groß, daß er ohne willigen Verzicht auf Fremdes nicht ernßhaß in Angriff genommen werden kann; er iß aber auch fo unbefchreiblich herrlich, daß er jeden Verzicht lohnt. Freilich iß er, wenngleich der Spitzenteil der Gefamtkultur,43 eben doch nur ein Teil derfelben; das übrige liegt in der Hauptfache bei den Völkern und iß zweifellos nach Gottes Plan bei ihnen in guten Händen. In der gefühlten Welt blüht äfthefifche Kultur und fördert auch ergreifende Erlebniswerte von tauberer Feinheit zutage. Doch die ätthetifche Autonomie emanzipiert Sinne und Gefühl und läßt nur eine Kunß vager Natur- und Lebenserfühlung und freier Phantafiefchöpfung gedeihen. Vergebens fucht die Seele Genuß an Gott. Da iß unter Anteil - Metaäßhetik: Schönheit und Freude in gottköniglichem Dienfi.44 In der gedachten Welt — geiftige Kultur mit Glanzleißungen von geradezu überwältigender Schürfkraft und Weisheit. Doch die geiftige Autonomie bedeutet die Alleingeltung der Ratio im Seienden und im Werdenden, in Phyfik und Hißorik und weit über beide hinaus. Vergebens fucht die Seele das Rechthaben Gottes. Da iß unter Anteil -Metaratio: die Wahrheit Gottes im Seienden und Werdenden, Metaphyfik und Metahißorik; gottesreichliches Denken erfaßt alle Kreatur, Menfch und Tier und Pflanze bis hin zum allerletzten, weltenfernften Stäubchen, als Gottkönigs Heerfcharen, ein einziger Chor:45 יהי כבוד ה׳ לעולם ישמח ה׳ במעשיו! 43 s. Ramb., Einl. z. Misch. 44 I1152 (Ssuk. 11 b), 26!3 Raschi; Ow. II 1 R. Jauno; s. w. Anm. 59. 45 Th. 104 31, 24!0, 103!9—22? 148; D. H. I 29!!; Jau. 38 a.