Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 259 (sequence 33)
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259 Geschiedenheit, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit erhalten geblieben. Noch viel stärker aber wirkte ein anderes Moment; denn wenn auch die Juden im Augenblick territorial geschieden waren, so war bei ihnen der Glaube und die Hoffnung lebendig, einst — und das konnte grundsätzlich schon am nächsten Tage eintreten — in ״ihrem“ Lande, in Palästina vereinigt zu werden. Wie stark diese Hoffnung war, und wie wenig hier ״Glaube“ mit dem modernen Begriff der Dogmatik gleichzusetzen ist, beweist die Wirkung des falschen Messias Sabbatai Zewi39) (1626 bis 1676), der fast die gesamte Judenschaft gleichsam zur Marschbereitschaft nach Palästina bewogen hatte. Dieser Glaube an eine baldige Vereinigung ersetzte gewissermaßen die territoriale Einheit. Dieser Glaube der Juden war auch den nichtjüdischen Zeitgenossen weit über sonstige jüdisch-religiöse Vorstellungen hinaus bekannt. Nicht nur, weil dieser Glaube durch die sabbatianische Bewegung, die ganz Europa mit Aufmerksamkeit verfolgte, und deren Wirkung bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts reichte, auch nach außen in Erscheinung trat, sondern, weil die Scheidung zwischen Christentum und Judentum von diesem Glauben aus erfaßt wurde. Das Judentum hatte bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts seitens der Außenwelt eine fast ausschließlich theologische Betrachtung erfahren.40) Auf die Frage, warum die Juden sich nicht zum Christentum bekennen, wurde die Antwort gegeben, die Juden glauben nicht an eine in der Vergangenheit liegende Erscheinung des Messias, sondern sie erwarten sie erst in der Zukunft. Daher konnte dieser Glaube der Juden auch in den Augen der Nichtjuden zu einem begriffsbestimmenden Merkmal der jüdischen Nation werden. So wurde am Ende des 18. Jahrhunderts gegen die Möglichkeit der ״bürgerlichen Gleichstellung“ der Juden argumentiert, da, wie es hieß, die Juden nicht gut Bürger eines Staates werden können, solange sie die Errichtung eines anderen eigenen Staates im Auge behalten.41>) Zu diesen, auch nach außen in Erscheinung tretenden nationalen Merkmalen, könnte man auch noch eine Reihe anderer hinzufügen, die im Bewußtsein der Juden ihre nationale Eigen- 39) J. Kastein,: ״Sabbatai Zewi, Der Messias von Smyrna“, 1930. 40) Vgl. Kapitel IV und! V.; j 41) Dohm, a. a. O., Bd. II, S. 172 ff. _*