Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 246 (sequence 20)
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246 Judentums, der Vertreter der sog. Wissenschaft des Judentums, der Methoden, die sie bei den nicbtjüdischen Gelehrten gesehen und ״wenn man dir sagt, daß es Wissenschaft unter den Völkern gebe, 80 glaube es.a Allerdings war diese Wissenschaft rein formal. Es stimmt nicht, wenn sie schreiben, daß es das Bestreben dieser Männer war, die Thora mit der Wissenschaft, das Judentum mit der Weltkultur zu versöhnen, denn diese ״Goale Hadam“ der Thora, wie sie der verewigte Rabbiner Spitzer זציל in Wien nannte, erklärten mit allem Nachdruck, daß sie als oberste Instanz nur die Thora kennen und vor ihren Richterstuhl 8011 alles gebracht werden, was auf dem Baume menschlicher Erkenntnis gereift ist. Vor dem prüfenden Auge der Thora haben sie sich zu legitimieren; was die Thora billigt, ist Wissenschaft, und was sie verwirft, wird aus dem Eden unseres jüdischen Seins vertrieben, und die Wissenschaft der Thora wird zur ״Flamme des sich umwälzenden Schwertes“, um unseren Lebensweg zu hüten. Die Thora wird wieder auf den Thron gehoben, den die Magd usurpiert hatte, und vor diesem Thron ziehen die Weisen und ihre Weisheit vorüber, und sie bestimmt, was zu bejahen und was zu verneinen ist. Vgl. Commentar von Rabb. Hirsch zu ויקרא י"ח und תורת משה מבעל חת׳״ס שמות, die fast wörtlich übereinstimmen. Nach meiner Überzeugung gibt es in gebildeten Ländern keinen anderen Weg, der uns zu dem ersehnten Ziele führen könnte, als daß wir uns auch mit den profanen Wissenschaften befassen, denn täuschen wir uns ja nicht, wenn wir unsere Türen den weltlichen Wissenschaften verschließen, so wird man uns genau so verlassen, wie man seiner Zeit die großen גאונים in Frankfurt am Main verlassen hat. In Frankfurt kam Leopold Stein an die Stelle der גדולים, in Berlin war es Geiger, der den Sitz der Großen der Thora erbte, und so war es in Breslau, wo ja überall fast über Nacht die ״treuen Städte zu Buhlerinnen “ wurden. Darum lehrten Rabb. Hirsch יוצ״ל und seine Weggefährten, daß dem Volke das ״Profane in Reinheit des Heiligen“ gereicht werde. Und das war keine Konzession an die Zeit, keine הוראת שעה, sondern eine Entscheidung für alle Zeiten. Leben wir in der Mitte eines kultivierten, gebildeten Volkes, so müssen wir uns ebenfalls profane Bildung aneignen, damit wir in den Äugen der Menge nicht als minderwertig erscheinen und unseren ganzen Einfluß einbüßen. Größere Männer der Thora als wir wurden von der Masse im Stich gelassen, weil sie eben nicht gebildet waren. Vielleicht wäre vieles besser gekommen, wenn sie in dieser Beziehung einige Konzessionen gemacht hätten, doch