Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 244 (sequence 18)
- Belongs to
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244 nichtjüdischen Umgebung standen, sieb auch die großen Männer unseres Volkes mit anderen Wissenschaften beschäftigt haben; denn es wäre eine Gefahr für die Erhaltung des Judentums entstanden, wenn nicht Männer von echter Frömmigkeit, ausgerüstet mit den Waffen moderner Wissenschaft, auf der Wache gestanden hätten, damit nicht Fremdes ins Heiligtum verpflanzt werde und andererseits wieder, damit wir nicht auf dem Felde des Lebens irre gehen und wahrhaft Heiliges nach außen drängen sollen. In Deutschland hingegen wütete zu jener Zeit die fanatische Unduldsamkeit der Christenheit, die uns in die finsteren Ghetti sperrte, so daß wir mit dem Leben außerhalb der Mauern der Judengassen nichts gemein hatten, da verwarfen unsere Großen jegliche Bildung der Umgebung, eine Bildung, deren Träger sich nicht dazu verstehen konnten, uns die primitivsten Menschenrechte zu gewähren. Von einer solchen Bildung war für das Judentum nichts zu befürchten. Und dann noch ein anderes. In den Ländern, in denen das finstere Mittelalter überwunden war, öffneten sich auch die Fenster in den Häusern Jakobs, und der Geist der Zeit hielt Einzug in diese Häuser, und viele der besten Kräfte des Judentums wendeten sich der allgemeinen Kultur zu. Die Lebensformen der Judenheit, sowohl die materiellen als auch die geistigen, begannen sich zu ändern, und diese Veränderungen brachten schwere Stunden der Prüfung für das jüdische Volk. In einem großen Teil des Volkes wurde die Thora ein wenig zur Seite geschoben, und an ihre Stelle traten die weltlichen Wissenschaften. Die breiten Massen des Volkes wahrten noch ihre Verbindung mit der Thora und wünschten dringend, daß sie nicht von der Bühne verschwinde, jedoch die Gefahr einer geistigen Umwälzung war nicht beseitigt, solange man den Wissenschaften einfach den Bücken kehrte. Viele wollten die Gefahr nicht sehen und glaubten, ihrer Pflicht zu genügen, wenn sie ihre Augen vor der Gefahr schlossen. Die Einsichtigen, die in die Tiefen des Lebens blickten, erkannten, daß es an der Zeit sei, die geistige Seite des Judentums, den Geist der Gesetze und die Wissenschaft des Judentums in den Vordergrund zu rücken. Sie begriffen, daß wenn das Judentum nicht darauf verzichten will, die treusorgende Führerin und Erzieherin der Judenheit zu bleiben, es sich mehr auf die Ideen des Judentums konzentrieren müsse, als dies bisher der Fall war. Und da geschah das Unglück, daß diese Wissenschaft des Judentums, die berufen gewesen wäre, das alte und echte Judentum zu erhalten, in die Hände von Männern