Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 241 (sequence 15)
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241 Kneses Jisroel geworden. Es wäre unbegreiflich, es wäre bedauerlich, wenn dieser taktische Unterschied Mißverständnisse tragen würde in die Reihe derer, welche in gemeinsamer Arbeit berufen sind zu einer Tat der Abwehr, wie sie in ihren Grund- Sätzen vor mehr als dreihundert Jahren schon einmal sich als notwendig erwiesen hat. Das war zu den Zeiten Sabbathai Zewis. Neben dem allgemeinen messianischen Taumel zeigte sich ein anderes Symptom, welches in seinen Auswirkungen noch bedenklichere Erscheinungen zeitigte. Neben Sabbathai Zewi wirkte Samuel Primo, Was wir heute so oft hören, die Halachah, eine ״Golusblüte“. müsse sich der Totalität des Lebens im Aufbau Palästinas (man kann in diesem Zusammenhang nicht wohl gut von einem Aufbau des heiligen Landes sprechen) anschmiegen und bedürfe einer Entwicklung, — das ist eigentlich das Erbe Samuel Primos. Er gestaltete den Traum der Sabbathai־Anhänger von einem Wege ins Freie aus dem Exil zu der traurigen Wirklichkeit eines Weges ״ins Freie“ von der Thora und ihren Geboten. Primo verstand es, den Anhängern seines Meisters es klar zu machen, daß eine freie, ungehemmte Entfaltung des jüdischen Einzelmenschen und insbesondere der jüdischen Gesamtheit die Bindungen nicht tragen könne, welche gegeben worden wären für eine Zeit, in der die Atomisierung der Judenheit zu befürchten gewesen wäre. Die Zeit des Neuaufbaues eines jüdisehen Reiches, so lehrt Primo, bedürfe nicht nur nicht solcher Bindungen, sondern der in einem solchen Augenblick höhere Gesichtspunkt müsse es ablehnen, der ״golusgewordenen Halachah“ sich unterzuordnen. Die meisten Gebote seien nur eine prophylaktische Vorbereitungsmaßregel für den Punkt der Erlösung gewesen; mit dessen Eintritt seien sie überflüssig, ja schädlich- Und fast will es scheinen, daß jeder Messianismus diese Begleiterscheinung zeitigen mußte. Oder man könnte auch sagen, daß für jeden ernsten Juden diese Begleiterscheinung ein Kriterium sein müßte, ein Beweis dafür, daß der jeweilige Messianismus — es hat nie an solchen gefehlt — nicht die Erlösung bedeutet, vielleicht sogar das einzige Kriterium, so wie es nach einer alten Kunde der Prophet Elia einst mitten im Kulturtosen des alten Roms kündete, daß dann der Messias erschienen sein würde, wenn damit ein liebevolles Lauschen auf die Thora verbunden sei. Ist es eine Erfüllung, wenn Lebenstotalität und Thoratotalität in so heißem Ringen miteinander befangen sind?